Freie Gedanken

Staatlich verordnete Blogpause

von Bastian am 13.01.06

Vor ungefähr einem Monat wagte ich meine ersten Schritte in der grossen Blog-Welt. 25 Beiträge und 1000 Besucher später fällt meine Bilanz durchwegs positiv aus. Ein Danke geht an alle Kommentatoren und an alle Blogs, die einen Link hierher gesetzt haben.

Mich zieht es nun für drei Wochen in die Berge, wo ich die Reichen und Mächtigen dieser Welt beschützen soll. Jedenfalls wird es mir vom Staat so befohlen. Ich werde frühestens am 6. Februar wieder in der Lage sein, einen freien Gedanken zu fassen. Bis dahin gilt für mich stupider Gehorsam.

Während ich in Davos friere, empfehle ich Zivilisten das WEF-Blog. Für die tägliche Zusammenstellung deutscher liberaler/libertärer/neokonservativer Blogs sei Ihnen ein Besuch beim Blogaggregat wärmstens ans Herz gelegt.

I’ll be back.

Anpassungsfähige Sozialstaaten

von Bastian am 11.01.06

Der Artikel im Tages-Anzeiger vom Montag über den Zusammenhang zwischen Sozialausgaben und Wirtschaftswachstum hat die Verfechter des Sozialstaates gefreut. Es wird eine bereits ein Jahr alte Studie des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Peter Lindert aufgewärmt und als politisch brisant verkauft. So wird in der Einleitung behauptet, die Studie widerlege das “Vorurteil”, dass hohe Sozialausgaben das Wirtschaftswachstum schwächen würden.

Tut die Studie das wirklich? Nein, der Effekt lässt sich lediglich bei einem Vergleich unter OECD-Staaten nicht beobachten. Wie die Studie erklärt, wählen die europäischen Sozialstaaten einen effizienteren Steuermix als beispielsweise die Vereinigten Staaten. Damit gelingt es ihnen, den wachstumsfeindlichen Effekt höherer Steuern wieder wett zu machen und gegenüber anderen Staaten nicht zurückzufallen. Um den Sozialstaat zu finanzieren, sind sie gezwungen, eine wachstumsfreundlichere Steuerpolitik zu betreiben und anstelle von Kapital stärker auf die Besteuerung von Konsum und Arbeit zu setzen. (Dies gibt der Artikel teilweise falsch wieder, indem er behauptet, Arbeit werde im “sozialen Europa” weniger stark belastet.)

Ausserdem erheben sie hohe Steuern auf Alkohol und Tabak und schröpfen damit die Süchtigen, die sich wenig dagegen wehren können. Der Economist meint dazu: “This style of taxation is efficient, but it is clearly inequitable. Taxing luxuries less heavily than, say, alcohol is likely to be regressive.” Was für die Sozialdemokraten daran “sozial gerecht” sein soll, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Der Artikel erwähnt weiter das gleich schnelle Produktivitätswachstum der USA und der EU. Doch eine andere Erkenntnis der Studie wird verschwiegen, nämlich, dass der Preis dafür Arbeitlosigkeit bedeutet. Während in den USA auch weniger produktive Arbeitskräfte eine Stelle finden, werden sie in Europa vom Staat versorgt, was natürlich die durchschnittliche Produktivität der Arbeitsplatzbesitzer erhöht.

Fazit: Die europäischen Sozialstaaten haben sich in der Vergangenheit als anpassungsfähiger erwiesen, als man gedacht hätte. Am wachstumsfreundlichsten wäre den Resultaten zufolge wohl der minimale Sozialstaat, kombiniert mit einem konsumorientierten Steuersystem (wie die Flat Tax eines wäre). Man hätte das Beste aus beiden Welten.

Es ist ungerechtfertigt, wenn Walter Niederberger vom Tages-Anzeiger die Studie zum Anlass nimmt, um über die Steuersenkungen in den USA herzuziehen. Denn diese brachten unter anderem eine Verringerung der Kapitalgewinnsteuer, dank deren niedrigen Sätzen die europäischen Staaten doch so erfolgreich seien.

Die Studie ist kein Plädoyer für einen fetten Staat, wie es Niederberger gerne hätte: “Dass das schlanke amerikanische Staatsmodell unter dem Strich wirtschaftlich besser wäre, ist gemäss der Langzeitstudie nicht zu beweisen.” Andere Aufwendungen neben den Sozialausgaben werden nicht berücksichtigt. Würde man dies tun, sähe die Sache leicht anders aus, wie dieses Paper von Dr. James Gwartney bestätigt, der sich ebenfalls auf OECD-Zahlen in einem ähnlichen Zeitraum stützt:

Government and Growth

Ein Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und durchschnittlichem jährlichem Wirtschaftswachstum lässt sich erkennen. Ein fetter Staat ist wachstumsfeindlich.

Quellen und weiterführende Links:
- Artikel im Economist
- Marginal Revolution zum Thema
- EconLog zum Thema
- Arbeitspapier von Lindert

Schwarzenegger: von Friedman zu Keynes

von Bastian am 09.01.06

Arnold Schwarzenegger, Gouvernator in Kalifornien, kündigt massive staatliche Investitionen an. 222 Milliarden Dollar will er in Infrastruktur, Schulen, Spitäler usw. stecken und die Mindestlöhne erhöhen. Dies, nachdem er Referenden zur Kürzung von Staatsausgaben und zur Schwächung der Gewerkschaften verloren hatte.

Offenbar hat er Angst, die Wiederwahl nicht zu schaffen. Was macht man da als Politiker? Mit fremdem Geld Geschenke verteilen. Die grössten Schulden in der Geschichte Kaliforniens sollen gemacht werden. Er habe aus seinen “Fehlern” gelernt:

“I thought a lot about last year and the mistakes that I made and the lessons that I learned,” Schwarzenegger said in his speech. “It was true that I was too much in a hurry. . . . I barreled ahead anyway when I should have listened.”

“To all Californians I say: message received.”

Dieser Mann wurde einmal von Milton Friedman beraten. Vielleicht sollte man ihn daran erinnern, was er vor gut zwei Jahren hier geschrieben hat:

I have often said that the two people who have most profoundly impacted my thinking on economics are Milton Friedman and Adam Smith. At Christmas I sometimes annoy some of my more liberal Hollywood friends by sending them a gift of Mr. Friedman’s classic economic primer, “Free to Choose.” What I learned from Messrs. Friedman and Smith is a lesson that every political leader should never forget: that when the heavy fist of government becomes too overbearing and intrusive, it stifles the unlimited wealth creation process of a free people operating under a free enterprise system.

Alles wieder vergessen. Macht korrumpiert eben doch.

Nachtrag:
- Johan Norberg wundert sich ebenfalls über Arnie.
- Auch Angela Merkel sympathisiert mit Mindestlöhnen. Da ich von ihr erwarte, dass sie wider besseren Wissens so entscheidet (sprach sie nicht auch kürzlich von “mehr Freiheit”?): Macht korrumpiert eben doch bzw. führt zu Etatistenlogik.

Weise Worte eines reichen Mannes

von Bastian am 06.01.06

Beim Entsorgen älterer (ungelesener ;) ) Zeitschriften fiel mir in der Oktober-Ausgabe des Fortune Magazine ein Gespräch zwischen Bill Gates und Warren Buffet, dem reichsten und dem zweitreichsten Mann der Welt, auf. (Online leider nicht verfügbar). Dabei geht es auch um China und damit zusammehängende Globalisierungsängste in den Industrienationen. Folgendes Statement von Gates fand ich besonders bemerkenswert, so dass ich es hier erwähnen möchte:

It’s too bad that economics isn’t taught or a hobby for lots of people, because you do run into those who seem to say, “There’s only a certain number of jobs.” That’s not the case. Let’s say tomorrow we could decide that everyone in India is as rich as we are. Would the world be a better place? Certainly. Would the U.S. thrive more because of the great products and work that would be done over there? Absolutely. The world getting richer is a great thing. It has been a great thing. It will continue to be.

(Bill Gates, Fortune, October 31. 2005)

Es ist wahr, dass Ablehnung der Globalisierung oft mit ökonomischem Unwissen einhergeht. Auch deshalb, weil in unseren staatlichen Schulen kein Wert auf dieses Wissen gelegt wird. Es ist ohne Probleme möglich, die Mittelschule zu absolvieren, ohne sich jemals mit ökonomischen Zusammenhängen beschäftigt zu haben. (Ich spreche aus Erfahrung.) Dies in einer (halb-)direkten Demokratie, in der häufig an der Urne über wirtschaftspolitische Vorlagen abgestimmt wird. Kein Wunder, dass diesen Teil der Ausbildung dann Organisationen wie “attac” oder die “Erklärung von Bern” übernehmen und ihre protektionistische Propaganda verbreiten.

Ein guter Anfang, wenn man sich damit beschäftigen möchte, wäre sicherlich das Buch “Economics in one Lesson” (Download als PDF, englisch), das mit vielen alten ökonomischen Irrtümern aufräumt. Es gäbe kein anderes modernes Buch, von dem der intelligente Laie so viel grundsätzliche Wahrheiten der Ökonomie in so kurzer Zeit lernen könne, meinte F.A. von Hayek dazu.

Index des Wohlstands

von Bastian am 06.01.06

Die Heritage Foundation und das Wall Street Journal haben den diesjährigen Index of Economic Freedom veröffentlicht. Wie steht es um die wirtschaftliche Freiheit in der Schweiz?

Die Schweiz gehört zur Gruppe der freien Staaten, ist jedoch vom 11. auf den 15. Platz zurückgefallen und schneidet gegenüber letztem Jahr etwas schlechter ab. Verschlechtert hat sich die Bewertung im Bereich “Banking”. Als Grund werden die 24 Kantonalbanken genannt, die für ca. 14% aller Vermögenswerte verantwortlich sind. Jedoch kann dies nicht wirklich als Verschlechterung der wirtschaftlichen Freiheit gewertet werden, schliesslich existierten die staatlichen Banken auch letztes Jahr. Weitreichende Regulierungen, was Baugesetze, Öffnungszeiten, Arbeitsgesetze etc. betrifft, bescheren der Schweiz im Bereich “Regulation” die schlechtesten Noten aller Bewertungskriterien.

Die Bedeutung der wirtschaftlichen Freiheit für den Wohlstand in der Welt verdeutlicht diese Grafik auf eindrückliche Weise:

Wirtschaftliche Freiheit und BIP pro Kopf

Das Pro-Kopf-Einkommen in den wirtschaftlich freien Ländern ist mehr als doppelt so hoch wie dasjenige in den grösstenteils freien (”mostly free”) Ländern. Einen ebenfalls interessanten Vergleich zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Lebenserwartung gibt es hier.

Astrologen und andere Scharlatane

von Bastian am 03.01.06

Zum Jahresanfang haben sie Hochkonjunktur, all die Wahrsager, Astrologen und sonstigen Scharlatane. Sie sind sich nicht zu schade jedes Jahr Dinge prophezeien, die dann nicht eintreffen. Man sollte diese Vorhersagen jeweils sammeln und am Ende des Jahres wieder anschauen. Der Sektenexperte Hugo Stamm hat dies letztes Jahr getan und die Resultate heute im Tages-Anzeiger publiziert. Das Ergebnis fällt erwartungsgemäss vernichtend aus für die Astrologenzunft.

Auch für 2006 gibt es wieder haarsträubende Prophezeiungen. Gemäss Michael Drosnin, dem “Entdecker” des sogenannten Bibel-Codes, soll es in diesem Jahr zu einem “atomaren Holocaust” kommen. Seine Behauptungen gelten zwar schon seit Jahren als unglaubwürdig, doch manchmal ist die Realität einfach nicht so spannend. Ende Jahr wissen wir mehr. Meine Prophezeiung: Die Zeit widerlegt sie alle.

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