Islam und Menschenrechte
Ich habe die moderate Muslimin Saïda Keller-Messahli schon in einigen TV-Diskussionen für ihren Sachverstand bewundert. Sie ist Initiantin des “Forum für einen fortschrittlichen Islam” in der Schweiz und schreibt im heutigen “Tages-Anzeiger” eine Replik auf einen Artikel von Tariq Ramadan. Ramadans Aussagen waren das übliche pseudomoderate Blabla. Ich habe nach der Hälfte aufgehört weiterzulesen, weil er wie immer um den heissen Brei herumschrieb. Anders bei Keller-Messahli - ein Ausschnitt zum Thema Menschenrechte:
Das Menschenbild des orthodoxen Islam geht nicht von einem Individuum aus, dem von der Gesellschaft Freiheitsrechte garantiert werden, damit es sich freiheitlich und nach eigenem Gutdünken entwickeln kann. «Islam» heisst, sich tagtäglich der existenziellen Bindung an Allah neu bewusst werden. Der Mensch ist zu Allah hin geschaffen und kann dieser Bindung nicht entrinnen. Seine Lebensführung soll ganz dem göttlichen Willen folgen. Was das in konkreten Situationen heisst, schreibt die Scharia vor. Sie ist nicht nur das islamische Gesetzbuch, sondern auch die verbindliche Anleitung zum richtigen Denken und Fühlen der Muslime. Im Zentrum der Scharia stehen die Interessen der Glaubensgemeinschaft, nicht ein Prinzip der Selbstbehauptung des Individuums.
Der Kern der Scharia ist ein religiös begründeter absoluter und allumfassender Wahrheitsanspruch. In der islamischen Welt halten auch Muslime mit moderaten Anschauungen daran fest, dass die Scharia die Basis von Staat und Gesellschaft bilden soll. Selbst eine Mehrheit der türkischen Bevölkerung dürfte dieser Ansicht sein. Dieser Weltanschauung muss das, was wir unter den Menschenrechten verstehen, fremd bleiben, weil sie unabhängig von der Religionszugehörigkeit gültig sind, sich also als Rechtsnorm über die Religion setzen, und weil sie den Einzelnen ins Zentrum stellen.
Die Menschenrechte werden weder durch den Islamrat in Europa noch durch die Organisation der Islamischen Konferenz anerkannt, beides wichtige Institutionen des Islam, welcher ja die Institution der Kirche nicht kennt.
Muslimische Zuwanderer bringen dieses grundlegend religiös verfasste Weltbild mit. Und es wird lange Zeit auch die Basis für das Verstehen der neuen Lebenssituation sein. Dadurch geraten sie aber in Widersprüche mit Normen, Regeln und Sichtweisen, die hier Gültigkeit haben. Viele Vorgaben der Scharia sind hier unhaltbar, man denke nur an die strikte Unterstellung der Frau unter die Gewalt des Mannes, an die Drohung mit dem Tod beim Austritt aus dem Islam, an die Minderwertigkeit von Andersgläubigen.
In der Folge appelliert sie an die Muslime, das Verhältnis der Religion zum säkularen Staat und zur Gesellschaft, das Verhältnis der Religion zum Individuum und zu den Menschenrechten von Grund auf neu zu überdenken. Es sind Frauen wie sie, die unsere Unterstützung in besonderem Masse verdienen.

…und da kommen “wir Christen” mit unseren Erfahrungen
Lesen Sie dazu auch hier:
http://www.adorare.de/warnung.html
Comment von Elisabeth — 24.02.06 um 19:32
Was klar sein muss:
Konkret
_____________________________
Nicht verhandelbar
Von Christoph Mörgeli
Mit einem Johannes-Zitat eröffnete Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika: «Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.» Ein charmanter und durchaus gewollter Kontrast zum muslimischen Mob, der gerne mal im Namen Allahs Botschaften abfackelt, jüdische Journalisten enthauptet oder «Ungläubige» verfolgt.
Immerhin denkt Europa inzwischen wieder über sich selber nach. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Denn der Islam ist längst im christlichen Abendland angekommen. Ganz konkret. In Fleisch und Blut. Aber nicht allein. Die europäischen Sozialstaaten ächzen generell unter der globalen Migration. Hier ist dann allerdings nicht die Kirche, sondern die Politik gefordert. Dialog suchen ja, aber immer im Lichte der realen Verhältnisse: Vierzig Prozent der ausländischstämmigen Jugendlichen in den Niederlanden sind ohne Job. Das türkisch geprägte Berliner Quartier Neukölln darf von sich behaupten, das grösste Sozialamt Europas zu beherbergen. In einzelnen Vorstädten Englands herrschen bereits die Gesetze der Scharia. 2005 wurden in Frankreich gut 45 000 Autos angezündet. Westeuropa sieht sich mit einem neuen Proletariat konfrontiert, das weitgehend importiert ist. Davon unbeeindruckt, fordert das links-grüne Polit-Establishment die totale Personenfreizügigkeit.
Wer dies tut, nimmt den sozialen Kollaps mutwillig in Kauf. Was wir brauchten, ist eine strikt kontrollierte Zuwanderung. Schon heute haben wir statt einer Bedarfsimmigration eine Anspruchsimmigration: Nur ein Viertel aller langfristigen Einwanderer kommt aufgrund einer Erwerbstätigkeit in die Schweiz. Heirat und Familiennachzug bilden die grossen Kontingente. Zu viele Immigranten landen direkt im Sozialstaat, wie die überdurchschnittlichen Ausländerquoten bei der IV, der Sozialhilfe oder der Arbeitslosenkasse zeigen. Unser Wohlfahrtsstaat integriert die Menschen nicht, sondern überführt sie in die öffentlich finanzierten Fürsorgegettos. Solche Perversionen zerstören das Fundament unserer Gesellschaft.
Nach innen muss dafür ein klar definiertes Wertegefüge wirken. Über Presse- und Meinungsfreiheit, über die Gleichstellung der Geschlechter und unsere Individualrechte brauchen wir keinen «interkulturellen Dialog» zu führen. Sie sind nicht verhandelbar – sondern durchzusetzen.
Der Autor ist Historiker und SVP-Nationalrat
Aus der «Weltwoche» Nr. 8.06
Comment von Urs Bleyli — 28.02.06 um 21:43
Zumindest im letzten Absatz stimme ich Herrn Mörgeli vorbehaltlos zu. Ich denke aber, dass es für Europa um mehr geht als um Einwanderungspolitik. Muslime sind heute ein Teil von Europa, die Sharia soll es nicht werden.
Comment von Bastian — 01.03.06 um 00:50