Cui bono?
Falls Sie es nicht wussten: Die Vogelgrippe ist eine Erfindung der Pharmaindustrie und die Goldene Moschee in Samarra haben die Amerikaner in die Luft gesprengt. Nichts Neues für Verschwörungsexperten.
Die Beweisführung fällt nicht schwer. Zwei Worte reichen aus: Cui bono - wem nützt es?
Im Falle der Vogelgrippe ist die Profiteurin Roche, Herstellerfirma von Tamiflu. Die Rechte für das Medikament wurden dem Unternehmen Gilead abgekauft, dessen Verwaltungsratspräsident ist ein Mann namens - oh Schreck - Donald Rumsfeld. Äusserst verdächtig. Stellen wir also die Frage “cui bono?” wird schnell offensichtlich, dass Roche und/oder Rumsfeld hinter der Vogelgrippe stecken müssen. Schliesslich geht es hier um “Milliardengschäfte”, da muss etwas faul sein. (Fragt sich eigentlich nur, weshalb Rumsfeld die Rechte am Medikament verkauft, wenn er schon für die Seuche verantwortlich ist. Lassen wir das…)
Wie wir wissen, hasst Donald Rumsfeld nicht nur Vögel, sondern auch Iraker und setzt deshalb alles daran, einen irakischen Bürgerkrieg zu entfachen. Ein erster Schritt war der Anschlag auf die Moschee in Samarra. Cui bono? Den Amerikanern und den Zionisten. Es erleichtert ihnen die Ausbeutung der irakischen Ölvorkommen und den Krieg gegen die Muslime, wenn sich die Iraker gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Nein, ich glaube nicht an derartigen Unsinn. Mich stört die Cui-bono-Frage, die eine falsche Logik vortäuscht. Sie steht am Anfang einer jeden drittklassigen Verschwörungstheorie, die im Internet herumgeistert. Man nehme irgendein Phänomen oder Ereignis, von dem man keine Ahnung hat, füge eine handvoll Vorurteile hinzu und frage: Cui bono? Das Ergebnis ist meistens eine ziemlich schlechte Verschwörungstheorie. Wobei das noch lange nicht bedeutet, dass man dafür im Internet keine Anhänger findet. Das Rezept ist vielseitig anwendbar: Klimawandel, 9/11, Mondlandung, Aids usw. Die Möglichkeiten sind unbeschränkt.
Ich behaupte damit nicht, man könne mit dieser Herangehensweise nicht einmal den tatsächlichen “Drahtzieher” ermitteln. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering. Je nach dem, aus welcher Perspektive man einen Sachverhalt beurteilt, wird man den Akteuren andere Motive zuschreiben. Geht man von falschen Motiven aus, muss das Ergebnis ebenso falsch sein. Sind die unterstellten Motive vorhanden, bedeutet das noch längst nicht, dass derjenige mit Motiv auch der Täter ist. Nicht jeder, der ein mögliches Tatmotiv hat, ist automatisch der Mörder. Das lernt man in jedem TV-Krimi.
Eigentlich ist die Cui-bono-Frage überflüssig. Meistens zieht ohnehin die US-Regierung die Fäden. Ansonsten war es der Mossad, die Illuminati oder ein kapitalistischer Grosskonzern. Es spielt keine Rolle, es stecken sowieso alle unter einer Decke.
Wenn Ihnen das nächste Mal jemand etwas von “cui bono” erzählt und Ihnen eine haarsträubende Geschichte auftischt - ich habe Sie gewarnt.

Nun, ich mag auch nicht allen so genannten Verschwörungstheorien glauben, aber die Geschichte hat leider gezeigt, dass Staaten (nicht nur die USA) ab und an gerne mal die Öffentlichkeit zu ihren Zwecken belügen (als Beispiel fällt mir - halt doch wieder bzgl. den USA - der Tonkin-Zwischenfall ein).
P.S. Wenn mich meine etwas angestaubten Latein-Kenntnisse nicht trügen, muss es doch Cui bono heissen, oder?
Comment von gebsn — 02.03.06 um 08:43
Verschwörungstheorien hin oder her. Die Frage: Cui bono ist berechtigt. Es ist immer so, dass jemand Nutzen zieht aus dem Pech anderer oder und vielleicht verständlicher: Sollte das Virus H5N1 je von Mensch zu Mensch überspringen, wird nicht nur ein Pharma-Konzern Nutzen ziehen wollen darauf.
Im Moment macht man sich Gedanken, H5N1 infizierte Menschen mit Chemotherapie zu behandeln, da eh mit einer Sterblichkeit von 50% der Infizierten gerechnet wird…
http://litart.twoday.net/stories/1641384/
Comment von anaximander — 02.03.06 um 12:31
Zum gleichen Thema siehe auch
5. Neues aus Entenhausen
Comment von Lizas Welt — 02.03.06 um 12:58
Stimmt. Es heisst “Cui bono”. Werde ich sogleich ändern.
@ gebsn:
Ich wäre wahrscheinlich der Letzte, der glauben würde, Regierungen würden immer die Wahrheit sagen. Aber “cui bono” reicht einfach nicht, um dies zu beweisen. Gerade im Pharmabereich ist es sogar wünschenswert, dass jemand an den Krankheiten anderer Geld verdienen kann. Es gäbe sonst schlicht keine Medikamente, die derart grosse Investitionen in die Forschung erfordern.
Comment von Bastian — 02.03.06 um 17:07
@Bastian
Also da bin ich anderer Meinung. Wenn z.B. der Staat resp. staatliche Unternehmen Medikamente produzieren würde (wobei man über Vor- und Nachteile von mir aus streiten kann), könnte er dasselbe kostendeckend machen.
Comment von gebsn — 02.03.06 um 20:16
@ Gebsn
Sie mögen und dürfen anderer Meingung sein. Dem Staat würden unverhältnismässig höhere Kosten aufgebürdet. Es wäre auch nicht so effizient. Mit der gleichen Arbeit käme weniger heraus. Einserseits ist Ihre gute Absicht zu loben. Es käme auf den Einzelfall an. Tendenziell ist das Gegenteil empirisch belegt. Eine Kombination von Staat und Wirtschaft wäre um alle möglichen Fälle zu berücksichtigen, vielleicht doch der bessere Weg. Aber, das kann man so auch nicht sagen. Eine nicht so einfache Materie. Ich tendiere dazu Herrn Bastian recht zu geben.
Comment von Ginger — 04.03.06 um 00:45
Verschwörungstheorien sind Gedanken theoretischer Art. Gedankenspiele. Sie existieren in den Köpfen. In einigen Köpfen und Töpfen. Der Mensch muss schliesslich an etwas glauben. Er kann nicht anders.
Comment von Ginger — 04.03.06 um 16:50
Im Fall des H5N1 sind Verschwörungstheorien naheliegend. Oder kann von euch vielleicht einer sagen, warum das Virus so plötzlich und ohne Spuren zu hinterlassen auf Rügen aufgetaucht ist? - Die Wissenschafter können es nicht.
Im Grunde ist das, was spreeblick spekuliert hat, harmlos. Man kann den Faden aufnehmen und weiterspinnen. Da ist die überlastete AHV, nebenan die armen Pensionskassen, das immer wieder heraufbeschworene “Problem” der Überalterung, die ewgi steigenden Krankenkassenprämien und über all dem schwebt ein ratloser Staatsapparat. Dem müsste eine Pandemie ganz gelegen kommen, die Probleme lösten sich von selbst. Und wenn man noch Couchepins Weigerung, den Impfstoff von Berna-Biotech und damit im eigenen Land produzieren zu lassen, was nichts anderes heisst, als dass die Schweiz impfstoffmässig vom Ausland, wahrscheinlich den USA, abhängig sein wird, also auf jeden Fall nicht genügend Impfstoff für die Gesamtbevölkerung vorhanden sein würde, - kann man zum schon zu einem noch heikleren Ergebnis kommen als http://spreeblick.de
Comment von anaximander — 04.03.06 um 22:26
@anaximander
Man weiss heute noch nicht viel über das H5N1-Virus, wahrscheinlich liegt es ganz einfach daran. Unspektakulär, ich weiss. Die ausbleibende Erklärung von Wissenschaftler, macht die faktenfreien Spekulationen und Verschwörungstheorien kein Deut wahrer. Es ist eine Eigenart von Verschwörungstheorien, dass sie teilweise berechtigte Fragen stellen, sogleich aber Antworten liefern, die ohne jeglichen stichhaltigen Beweise auskommen.
@gebsn
Der Staat mag kostendeckend produzieren. Du vergisst dabei, dass erst der Wettbewerb die Unternehmen dazu bringt, Kosten zu sparen und Innovationen voranzutreiben. Im Endeffekt sind Private effizienter, genau weil sie Gewinn machen wollen. Das Problem liegt bei den sozialisierten Gesundheitskosten, aber das ist ein anderes Thema…
Comment von Bastian — 06.03.06 um 21:02