Chávez am 1. Mai
Das Zürcher 1. Mai-Komitee hatte schon immer ein Gespür für zweifelhafte Redner. So auch dieses Jahr. Per Videoübertragung wird Hugo Chávez zugegen sei. Der Kämpfer für einen “Sozialismus des 21. Jahrhunderts” - in welchen Punkten sich dieser von den missglückten Versuchen des 20. Jahrhunderts unterscheidet, ist jedoch unbekannt. Die aktuelle Weltwoche bringt es auf den Punkt (für Abonnenten):
Dass Chávez in der Tradition der Caudillos steht, die auf Rechtsstaat und Demokratie pfeifen, wird grosszügig übersehen. Ein paar deftige Sprüche über die Globalisierung oder Bush – und schon setzt der kritische Verstand aus. Dass Putschoffizier Hugo Chávez mehr für Rüstung ausgibt als jeder andere Machthaber Südamerikas, während die Armut im Land auf hohem Niveau stagniert – who cares. Das interessiert so wenig wie der immense Ölverschleiss in Venezuela oder der Klientelismus des Caudillo, der mit Zuckerbrot und Peitsche regiert und sich um eine nachhaltige Entwicklung foutiert. Auch in Zürich werden die proletarischen Massen dem grossen Führer zujubeln.
Leider liest das 1. Mai-Komitee dieses Blog nicht, z.B. den Post “Warum die Linke ob Chávez erschaudern sollte“.

Ich habe mich auch aufgeregt über diese “Wahl” des Gastredners. Zu meiner grossen Freude kams ja anders; Chavez hat verpennt und Leuenberger wurde von seinesgleichen von der Bühne gepöbelt. Unterhaltung von ganz Links; unbezahlbar.
Comment von CptEggman — 02.05.06 um 22:32