Eigentlich wollte ich dazu nie etwas schreiben, aber die Debatte über Löhne einer handvoll Schweizer Topmanager reisst nicht ab. Es scheint ein schweizerisches Phänomen zu sein. Natürlich werden Debatten darüber auch in Deutschland (Ackermann!) oder den USA geführt, doch wie mir scheint nicht in solchem Ausmasse. Sei es die Krise von economiesuisse, der Führungswechsel im Arbeitgeberverband oder ein beliebiges Interview mit einem prominenten Wirtschaftsführer: Die Managergehälter werden immer an erster Stelle angesprochen und mit ausgesprochener Hartnäckigkeit thematisiert. Als hätte die Schweizer Wirtschaft keine dringenderen Probleme.
Es ist eine Debatte über ein Scheinproblem. Angeheizt von einem Boulevardblatt und „10vor10“, danach in mehr oder weniger populistischer Weise weitergeführt im Rest der Medienlandschaft. Ich will keine Gehälter rechtfertigen, denn es ist nicht an mir, dies zu tun. Genauso wenig wie es an mir ist, diese Gehälter zu kritisieren. Ich halte keine Aktien dieser Unternehmen und ich bin auch kein Angestellter. Ich bin in keinster Weise davon betroffen, wie viel Herr Ospel oder Herr Vasella verdient. Wäre ich Miteigentümer, sähe das vielleicht anders aus oder wäre ich Mitarbeiter könnte ich mich über die Lohnpolitik echauffieren, was sich in einem schlechteren Unternehmensklima niederschlagen würde. Als Kunde könnte ich zur Konkurrenz abwandern. Ich bin nicht gezwungen, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen. Ich kann mich komplett von ihnen lossagen.
Letztendlich entscheiden die Eigentümer darüber, wie viel sie der Unternehmensleitung auszahlen wollen. Nur sie bestimmen, ob diese Löhne gerechtfertigt sind. Nur sie entscheiden, ob die Manager in ihrer Arbeit erfolgreich sind und wie viel dieser Erfolg wert ist. Es gibt dafür keinerlei objektive Massstäbe und es kann sie nicht geben. Wollen die Eigentümer ihr Geld zum Fenster rauswerfen oder einem „Abzocker“ in den Rachen werfen, sie sollen dies tun. Sie haben die Hauptfolgen zu tragen. Es ist ihr Eigentum, über das sie frei bestimmen können. Unter den Eigentümern kann dies verständlicherweise hitzige Debatten auslösen, mich als Nicht-Eigentümer geht es nichts an und lässt es kalt.
Es gibt eine Ausnahme: Neid. Die ganze Debatte dreht sich im Grunde darum. Die einen schüren die Neidgefühle, die andern lassen sich anstacheln. Es entsteht ein unangenehmes Klima der Hetze und gar des Hasses. „Die Ospels“ und „die Vasellas“ sind beliebte linke Argumentationskrücken in jeder wirtschaftspolitischen Diskussion geworden. Die Neidreflexe sind mittlerweile auf diese Namen programmiert. So falsch liegt Mörgeli nicht, wenn er Frank A. Meyers Tiraden auf die „globalisierten Manager“ mit Hetzreden aus der Nazizeit vergleicht. Die Debatte hat derartige Züge angenommen. Es geht schon lange nicht mehr um evt. berechtigte Reformen des Aktienrechts im Bereiche der Transparenz oder der Aktionärsrechte. Ähnliche Gesetze im angelsächsischen Wirtschaftsraum machen auch wenig „Hoffnung“ auf eine disziplinierende Wirkung, was die Höhe der Löhne angeht.
Wirtschaftsführer sind zu verstehen, wenn sie die Gehälter mittlerweile kritisieren mit dem Verweis auf das ungesunde gesellschaftliche Klima, das sie verursachen. Sie wollen künftigen Schaden vermeiden und ihr Image verbessern. Doch man sollte die wahren Verursacher eines negativen Klimas nicht verkennen: Es sind dies nicht die vereinzelten Manager, die „zuviel“ verdienen, sondern die populistischen Hetzer, die Neid schüren und den Aktionären aberkennen wollen, über ihr Eigentum frei zu verfügen.