Freie Gedanken

Definitiv verrückt!

von Bastian am 31.05.06

Wer noch Zweifel daran hat, dass der iranische Präsident Ahmadinejad absolut verrückt ist, sollte sich dieses Interview im Spiegel nicht entgehen lassen. Endlich ist es auch online verfügbar.

Zum Interview-Stil gibt es einen lesenswerten Kommentar von Alan Posener . Hubert Kleinert nennt in seinem Kommentar Ahmadinejad eine Ikone des europäischen Neonazismus.

Ein Wort zu Managerlöhnen

von Bastian am 30.05.06

Eigentlich wollte ich dazu nie etwas schreiben, aber die Debatte über Löhne einer handvoll Schweizer Topmanager reisst nicht ab. Es scheint ein schweizerisches Phänomen zu sein. Natürlich werden Debatten darüber auch in Deutschland (Ackermann!) oder den USA geführt, doch wie mir scheint nicht in solchem Ausmasse. Sei es die Krise von economiesuisse, der Führungswechsel im Arbeitgeberverband oder ein beliebiges Interview mit einem prominenten Wirtschaftsführer: Die Managergehälter werden immer an erster Stelle angesprochen und mit ausgesprochener Hartnäckigkeit thematisiert. Als hätte die Schweizer Wirtschaft keine dringenderen Probleme.

Es ist eine Debatte über ein Scheinproblem. Angeheizt von einem Boulevardblatt und „10vor10“, danach in mehr oder weniger populistischer Weise weitergeführt im Rest der Medienlandschaft. Ich will keine Gehälter rechtfertigen, denn es ist nicht an mir, dies zu tun. Genauso wenig wie es an mir ist, diese Gehälter zu kritisieren. Ich halte keine Aktien dieser Unternehmen und ich bin auch kein Angestellter. Ich bin in keinster Weise davon betroffen, wie viel Herr Ospel oder Herr Vasella verdient. Wäre ich Miteigentümer, sähe das vielleicht anders aus oder wäre ich Mitarbeiter könnte ich mich über die Lohnpolitik echauffieren, was sich in einem schlechteren Unternehmensklima niederschlagen würde. Als Kunde könnte ich zur Konkurrenz abwandern. Ich bin nicht gezwungen, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen. Ich kann mich komplett von ihnen lossagen.

Letztendlich entscheiden die Eigentümer darüber, wie viel sie der Unternehmensleitung auszahlen wollen. Nur sie bestimmen, ob diese Löhne gerechtfertigt sind. Nur sie entscheiden, ob die Manager in ihrer Arbeit erfolgreich sind und wie viel dieser Erfolg wert ist. Es gibt dafür keinerlei objektive Massstäbe und es kann sie nicht geben. Wollen die Eigentümer ihr Geld zum Fenster rauswerfen oder einem „Abzocker“ in den Rachen werfen, sie sollen dies tun. Sie haben die Hauptfolgen zu tragen. Es ist ihr Eigentum, über das sie frei bestimmen können. Unter den Eigentümern kann dies verständlicherweise hitzige Debatten auslösen, mich als Nicht-Eigentümer geht es nichts an und lässt es kalt.

Es gibt eine Ausnahme: Neid. Die ganze Debatte dreht sich im Grunde darum. Die einen schüren die Neidgefühle, die andern lassen sich anstacheln. Es entsteht ein unangenehmes Klima der Hetze und gar des Hasses. „Die Ospels“ und „die Vasellas“ sind beliebte linke Argumentationskrücken in jeder wirtschaftspolitischen Diskussion geworden. Die Neidreflexe sind mittlerweile auf diese Namen programmiert. So falsch liegt Mörgeli nicht, wenn er Frank A. Meyers Tiraden auf die „globalisierten Manager“ mit Hetzreden aus der Nazizeit vergleicht. Die Debatte hat derartige Züge angenommen. Es geht schon lange nicht mehr um evt. berechtigte Reformen des Aktienrechts im Bereiche der Transparenz oder der Aktionärsrechte. Ähnliche Gesetze im angelsächsischen Wirtschaftsraum machen auch wenig „Hoffnung“ auf eine disziplinierende Wirkung, was die Höhe der Löhne angeht.

Wirtschaftsführer sind zu verstehen, wenn sie die Gehälter mittlerweile kritisieren mit dem Verweis auf das ungesunde gesellschaftliche Klima, das sie verursachen. Sie wollen künftigen Schaden vermeiden und ihr Image verbessern. Doch man sollte die wahren Verursacher eines negativen Klimas nicht verkennen: Es sind dies nicht die vereinzelten Manager, die „zuviel“ verdienen, sondern die populistischen Hetzer, die Neid schüren und den Aktionären aberkennen wollen, über ihr Eigentum frei zu verfügen.

Wirtschaftswachstum ist ökologisch

von Bastian am 29.05.06

Dieses Blog macht auf eine Studie aufmerksam, die aufzeigt, dass Wirtschaftswachstum letztendlich positiv ist für die Umwelt. Zwar gibt es mit einsetzender wirtschaftlicher Entwicklung eine anfängliche Verschlechterung, aber mit steigendem Einkommen verbessert sich danach die ökologische Situation.

Aus dem Abstract:

We find no evidence that environmental quality deteriorates steadily with economic growth. Rather, for most indicators, economic growth brings an initial phase of deterioration followed by a subsequent phase of improvement. The turning points for the different pollutants vary, but in most cases they come before a country reaches a per capita income of $8,000.

(via PSD Blog)

“Das Individuum ist das Wichtigste”

von Bastian am 29.05.06

Ein lesenswertes Interview in der NZZ vom Samstag mit drei Schweizer Ökonomieprofessoren darf hier nicht unerwähnt bleiben. Die beste Antwort von Silvio Borner:

Wettbewerb ist eher ein Instrument, individuelle Freiheit dagegen so etwas wie ein oberstes Ziel. Was sind Ihre obersten Werte, ist das, wie Kritiker gelegentlich behaupten, einfach die Effizienz?

Borner: Sehr verkürzt kann man sagen, das Individuum ist das Wichtigste. Natürlich kann das Individuum nicht allein überleben. Deshalb ist der Wettbewerb nicht einfach ein Instrument neben anderen, sondern er hat einen Wert an sich, weil er ein Koordinationsmechanismus ist, der - wie wir seit Adam Smith wissen - die individuelle Freiheit intakt lässt. Wettbewerb ist nicht nur wegen der Effizienz wichtig, sondern auch wegen der offenen Gesellschaft (im Sinn Karl Poppers). Die Wirtschaft ist nicht etwas Egoistisches, wir brauchen keine gesellschaftlichen und ethischen Korrektive. Vielmehr liegt im Wettbewerb selber eine ethische Dimension. Das unterscheidet mich fundamental von den Kollegen, die diese Bewegung gegründet haben, die auch im NZZ-Inlandteil Gehör findet. Da sehe ich keine Kompromiss-Chance, das sind für mich Kollektivisten, die sich - das Schönste am Ganzen - das Mäntelchen des sozialen Liberalismus umhängen.

Das ist ja fast paradox: Alle wollen Liberale sein.

Borner: Und diejenigen, die es wirklich sind, werden als Neoliberale beschimpft.

Er spielt auf die Bewegung “kontrapunkt” an, der z.B. der Wirtschaftsethiker Peter Ulrich angehört und die sich für “Liberale” halten, jedoch viel mehr Sozialisten und intellektuelle Gesellschaftskonstrukteure sind.

Lob und Tadel vom BAG

von Bastian am 23.05.06

Nachdem “uns” der Bund via Anzeigenkampagne ein “Bravo” zuruft und steuerfinanziert für Rauchverbote wirbt, rollt schon der nächste Angriff des Nannystate auf seine Kinder Bürger. Im Bezug auf Alkohol waren wir weniger brav, meint das BAG.

In der Schweiz werden jeden Tag drei bis vier Jugendliche wegen Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit im Spital behandelt, wobei die grosse Mehrheit der Diagnosen auf Alkoholvergiftung lautet. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).[…]

Die Zahl der Diagnosen „Alkoholabhängigkeit“ nimmt mit steigendem Alter zu und ist in dieser Studie in der Kategorie der 20- bis 23-Jährigen am höchsten. Dass bereits Jugendliche alkoholabhängig sind, ist besorgniserregend.

Das Muster ist bekannt: Irgendeine “schockierende” Studie präsentieren und sogleich Bevormundungsmassnahmen und neue Steuern fordern.

Die Einschränkung der Erhältlichkeit und höhere Steuern für billige alkoholische Getränke seien wichtige Massnahmen, um dem Alkoholmissbrauch entgegenzuwirken, fordert Michel Graf, Direktor der Stiftung SFA. Das meistkonsumierte Getränk junger Männer sei Bier, das oft billiger zu haben sei als Softdrinks.

Besorgniserregend finde ich eher, dass ein 23-Jähriger, der schon seit 5 Jahren legal Alkohol konsumieren darf, noch als jugendlicher Alkoholtrinker bezeichnet wird. Aber irgendwoher muss man die alarmierenden Zahlen nehmen und jugendliche Trinker sind für die Medien ein gefundenes Fressen. Unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes kommen Massnahmen daher, die - wie die Studie zeigt - viel eher auf junge Erwachsene bzw. Heranwachsende zielen und in Form höherer Preise alle betreffen würden.

Vor kurzem waren es noch die sog. Alcopops, die sich heute aufgrund massiver Steuern im Namen des Jugendschutzes auch kein Erwachsener mehr leisten kann oder will. Jetzt kommt das Bier ins Visier der Gesundheitsbeamten. Es ist kein Zufall, dass z.B. keine Erhöhung der Altersgrenze gefordert wird, sondern neue Steuern. Hier geht es nicht um Jugendschutz, sondern um Schutz der Individuen vor sich selbst. Im Gegensatz zum Staat, sind Eltern meist ehrlich, wenn sie ihre Kinder bevormunden und halten sie ab einem gewissen Alter auch für selbständig denkend.

Schnüffelstaat 2.0?

von Bastian am 21.05.06

Neue Technologien stellen die staatlichen Schnüffler einerseits vor neue Probleme. Andererseits eröffnen dieselben Technologien auch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Überwachung der Bürger. Gemäss einem Artikel in der Sonntagszeitung plant der Bundesrat eine massive Offensive im Bereich der Internetüberwachung. Evt. sollen die Breitbandmodems mit integrierten Wanzen ausgestattet werden. Während sich dies noch technisch überlisten liesse, sind schon alle neuen UMTS-fähigen Mobiltelefone mit einer solchen “Abhörschnittstelle” (=Wanze) ausgestattet.

Im Rahmen des Passes 06 soll eine zentrale Datenbank mit Passfotos und biometrischen Daten aller Schweizer Bürger entstehen. Technisch wird es möglich sein, diese nach Fotos oder biometrischen Merkmalen wie Fingerabdrücken zu durchsuchen. Was technisch machbar ist, wird früher oder später auch zur Anwendung kommen. Die Hooligan- oder Kampfhundedebatten zeigen, dass im Falle eines emotional aufwühlenden Ereignisses die Freiheit immer verliert und staatliche Kontrolle und Überwachung an Boden gut machen. Plötzlich gilt Datenschutz als absurd. “Wie praktisch wäre es doch, diese oder jene Daten wären zugänglich”, heisst es dann.

Der Vergleich mag überstrapaziert sein, doch mich erinnern solche Wanzen in technischen Geräten an die “telescreens” aus Orwells 1984. Eine durchsuchbare Datenbank mit biometrischen Daten aller Bürger ist ohnehin eine Horrorvision. Big Brother is watching you.

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