Freie Gedanken

Bilder aus Nordkorea

von Bastian am 29.07.06

Via Catallarchy bin ich auf diesen Forum-Thread gestossen mit Bildern und Reiseberichten aus Nordkorea (den ganzen Thread anschauen; wenn die Bilder nicht laden, zuerst diese Links besuchen 1, 2, 3, 4, 5 und zum Thread zurückkehren). Einen weiteren Reisebericht gibt es hier.

Anscheinend wurden viele Bilder unerlaubterweise geschossen, so kriegt man einen Einblick in den Alltag eines totalitären Staates. Interessant sind auch die Kommentare; danach wird jedem Touristen ein staatlicher Aufpasser an die Seite gestellt ohne den man das Hotel nicht verlassen darf. Mobiltelefone sind für Einheimische sowie für Touristen verboten und müssen am Zoll abgegeben werden, obwohl es ein GSM-Netz gibt. Um elf Uhr nachts wird das Stromnetz abgeschaltet. In der Tat “one scary place..”.

Eine kleine Auswahl:

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Derweil in Südkorea, Seoul:

Seoul

Seoul

Al-Kaida will Spanien “zurück”

von Bastian am 28.07.06

Al-Kaidas Nummer zwei, al-Zawahiri, in seinem gestern veröffentlichten Video:

“The war with Israel does not depend on cease-fires … . It is a jihad (holy war) for the sake of God and will last until (our) religion prevails … from Spain to Iraq,” said al-Zawahri. “We will attack everywhere.”

Wann beginnt die EU zu verhandeln? ;)

Via Big Pharaoh, der auch schon Zapateros Reaktion kennt. Hintergründe zu Spanien und den Jihadisten gibt es in diesem Artikel. Die meinen das ernst.

Verwüstung in Beirut

von Bastian am 27.07.06

Wir kennen die Bilder von zerstörten Häusern und Schutt auf den Strassen im Libanon. Schon länger hätten mich Luftbilder oder Karten der Zerstörung interessiert. Via Sendungsbewusstsein bin ich auf diese Karte von Beirut gestossen. Quelle ist die New York Times :

Beirut

Eine andere Karte bei Israpundit (zum Vergrössern dem Link folgen):

Beirut 2

Unerfreuliches Dienstags-Clubbing

von Bastian am 26.07.06

Hat jemand gestern den “Club” (Video-Stream hier) auf SF 1 gesehen? Seit gestern beneide ich die Deutschen um Sabine Christiansen. Da habe ich mich zwar gewundert über Frau Wieczorek-Zeul und Herrn Kienzle, aber es kam eine ganz vernünftige Diskussion zustande, in der beide “Seiten” ihre Sicht der Dinge präsentieren konnten.

Die Gästeliste des “Clubs” las sich eigentlich ganz passabel. Ich dachte, der Filmemacher und Mitglied einer linksextremen Partei, Samir, würde nicht ganz meine Meinung vertreten, doch das wäre in Ordnung. Es sollte schlimmer kommen. Samir monopolisierte die Diskussion mit emotionalen Brandreden gegen Israel. Vernünftige Stimmen wie die des NZZ-Auslandschefs Kamer liess er praktisch nicht zu Wort kommen oder zerriss jede mässigende Bemerkung.

Die Sendung startete schon gut. Drei tote Soldaten habe es gegeben am 12. Juli beim Überfall der Hisbollah, meinte der Moderator Ueli Heiniger. Es waren deren acht, aber wer nimmt’s in der letzten Sendung schon genau mit den Fakten. Die Pädagogin Lendorff-El Rafi findet zwar den Angriff der Hisbollah “nicht richtig”, aber die Reaktion, unverhältnismässig, grausam blabla… Ich kann es ihr nicht übel nehmen, sie hat Verwandte im Libanon, deshalb sind die Emotionen verständlich. Dann viel Israel-Bashing von Samir. Kamers Einwände, die Israels Position wenigstens halb verständlich machen sollen, lässt er nicht gelten. Er sei schliesslich kürzlich im Libanon in den Ferien gewesen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Hisbollah dies plante. Vielmehr müsse Israel den Konflikt von langer Hand vorbereitet haben. Ich überlege mir, wegzuschalten, nicke stattdessen kurz ein. Im Libanon seien in der Politik nur Klientelinteressen vertreten, nur einen Kommunisten gebe es. Dadurch aufgeweckt, muss ich überlegen, wie Samir das meint - er versteht “Kommunist” als Gütesiegel.

Weiter geht es mit Samir: Libanon verliere viele Einnahmen durch den Tourismus. “Hallo, was ist mit Israel?”, möchte man einwerfen. Ein Drittel des Landes wird täglich mit hunderten von Raketen beschossen und die Menschen leben im Bunker. Da gibt es normalerweise auch Touristen. Aber Israel interessiert hier niemanden. Vielmehr möchte der Moderator wissen, woher die “israel-kritische” Haltung vieler Schweizer komme? Man ist sich einig, die Schuld liegt bei Israel und Lendorff-El Rafi lobt dies als “differenzierte Meinung”. Dann etliche Gleichsetzungen von “Fundamentalisten” auf beiden Seiten. In Israel gebe es schliesslich die Orthodoxen. “Berüchtigt für ihre Kidnappings, Terroranschläge und ihr Raketenarsenal?”, möchte man einwenden. Samir weiss: “Eigentlich will die Mehrheit der Menschen im Nahen Osten Frieden, aber natürlich gibt es immer irgendwelche Orthodoxen.” Alles klar. Ich bin für eine NATO-Truppe, die endlich mal gegen die orthodoxen Juden vorgeht. Schliesslich dreht sich die Diskussion um die Hisbollah. Marise Lendorff-El Rafi widerspricht der Bezeichnung als islamistische Terrororganisation. Es sei eine einfache Guerillaorganisation mit einer islamischen Lebensphilosophie, was bedeute, dass man für den Nächsten schaue und hilfsbereit sei. “Und die Juden auslösche”, möchte man einwerfen. André Marty und Yves Kugelmann machten zwar einen vernünftigen Eindruck, äusserten aber so gut wie keine Meinung, obwohl sie wahrscheinlich dafür eingeladen wurden, die israelische Position zu erklären. Rolf Lyssy, der sich zur israelischen Friedensbewegung bekannte, war fast noch ein Lichtblick in dieser Diskussionsrunde.

Interessante Fragen wurden gar nicht erst diskutiert. Was wären die Alternativen, die Israel gehabt hätte? Wie kommt die Region wieder zur Ruhe? Wie erreicht man einen Waffenstillstand? Eine Eingreiftruppe? Wie kriegt man die Hisbollah klein? Aber darum ging es nicht, es ging um Emotionen und darum, dass inkompetente Leute, die vielleicht gute Filme machen, aber nichts von der Situation im Nahen Osten verstehen, eine grosse Klappe haben dürfen.

Verschwörungstheorien erklärt

von Bastian am 24.07.06

Der Sektenexperte Hugo Stamm schreibt auf seinem Blog über Verschwörungstheorien und sagt alles, was dazu gesagt werden muss.

Verschwörungstheorien sind ein Konstrukt, das nicht auf einer ehrlichen Wahrheitssuche beruht. Die Konstrukteure sind immer Interessenvertreter. Sie kennen das Ziel ihrer Suche, bevor sie zu recherchieren beginnen. Sie machen sich Wissenslücken zu nutze und konstruieren diese zu einer Verschwörungstheorie. Dabei lassen sie alle Fakten auf der Seite, die gegen ihre Theorie sprechen. Und sie verschweigen, dass es ein Mehrfaches an Fakten gibt, welche ihre Vorstellungen widerlegen.

Ein Kommentator schreibt: “Es ist nämlich bedenklich, wieviele Leute (durchaus gebildete Leute) solche Verschwörungen glauben und in Gesprächen auch noch propagieren.” Diese Erfahrung habe ich in letzter Zeit des öfteren gemacht. Waren es früher noch dubiose E-Mail Attachments und Internetseiten, auf denen man damit konfrontiert wurde, begegnet mir dieser Quatsch mittlerweile immer mehr im Alltag. In öffentlichen Veranstaltungen, im Kollegenkreis etc. Leute, die ich bisher für intelligent und kritisch hielt, erzählen von Sprengungen im WTC und Missiles im Pentagon. Dubiosen Internetquellen oder Verschwörungsbüchern wird ohne Weiteres vertraut. Plötzlich kein Hauch kritischen Geistes mehr.

Manche mögen es interessant finden, darüber zu spekulieren und denken sich nichts weiter dabei. Wenn man damit aber öfter konfrontiert wird, ist es lästig. Es bedeutet das Ende jeder vernünftigen politischen Diskussion. Ich ertappe mich dabei, dass ich das Thema 9/11 in Gesprächen mit Leuten, deren politische Meinung mir unbekannt ist oder die weit links stehen, zu meiden versuche. Ich will mir und meinem Gegenüber diese unangenehme Auseinandersetzung ersparen, ob es nun “eh die Amis waren” oder doch der Mossad. Es ist äusserst schwierig, dagegen rational zu argumentieren.

Problem erkannt

von Bastian am 23.07.06

Michael Young berichtet aus Beirut, viele Libanesen wüssten gut, wer für den Kriegszustand verantwortlich sei. Es sei nicht so, dass nun alle Libanesen zu Unterstützern der Hisbollah würden. Er schreibt im Spectator:

The Lebanese people have watched as Hezbollah has built up a heavily armed state-within-a-state that has now carried the country into a devastating conflict it cannot win and many are fed up. Sunni Muslims, Christians and the Druze have no desire to pay for the martial vanity of the Hezbollah leader, Hassan Nasrallah. Nor will they take kindly to his transforming the devastation into a political victory.

Some even welcome Israel’s intervention. As one Lebanese politician said to me in private (but would never dare say in public) Israel must not stop now. It sounds cynical, he said, but ‘for things to get better in Lebanon, Nasrallah must be weakened further’.

Even some Shiites are beginning to have doubts about Nasrallah. If interviewed on television they will praise Hezbollah, but when the cameras are off, there are those who will suddenly become more critical. Many have had to flee, leaving behind their homes and possessions with no hope of recovering anything of any worth.

Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Libanesen von diesem Krieg verschont bleiben, in den sie von der Hisbollah hineingezogen wurden.

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