Freie Gedanken

Müllsammlung

von Bastian am 23.07.06

Zeit, weitere schimmelnde Leserbriefe aus dem Tages-Anzeiger von letzter Woche zu entsorgen. Ich lasse damit den Autoren das Privileg zukommen, jederzeit ihren Schwachsinn mit einer einfachen Google-Suche unter ihrem Namen nachzulesen. Dies als kleine Gratis-Dienstleistung von meiner Seite. Bitte lesen Sie nur weiter, wenn Sie vorhaben, sich den Sonntag zu verderben. (Eine solche Warnung gehörte auch auf die Leserbriefseite des Tages-Anzeigers).

vom Donnerstag, 22.07.

Israel hat den « Kredit » verspielt.
Nach dem, was die Juden durch Hitler alles erleiden mussten, hatten die Israeli bei mir fast grenzenlosen Kredit. Jetzt aber bin ich überzeugt, dass die Juden die Palästinenser ausrotten wollen. Offenbar hat auch 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kein Politiker ein Recht, auch nur ansatzweise Bedenken oder gar Kritik am israelischen Vorgehen zu äussern – vor allem nicht, wenn er aus Europa stammt. Ich warte auf den Tag, da arabische Länder zumindest in der Israel-Frage zu Einheit finden und diesem Menschen verachtenden Kriegstreiben der Juden respektive Israels Einhalt gebieten. - Harald Funk, Emmenbrücke

Richtig. Ich weiss auch von keinem einzigen europäischen Politiker, der nur ansatzweise Kritik geäussert hätte. Da ist es verständlich, dass Sie auf den Tag warten, an dem die Juden-Frage äh.. “Israel-Frage” gelöst wird und “den kriegstreibenden Juden” Einhalt geboten wird. Antisemitisch ist das natürlich nicht, das ist reine Kritik.

Was macht der Schweizer Botschafter?
Israel bombardiert rücksichtslos im Gazastreifen und im Libanon. Nimmt in Kauf, dass unschuldige Zivilisten umkommen. So ein rücksichtsloser Staat hat meines Erachtens kein Existenzrecht in der Völkergemeinschaft. Es erstaunt mich schon, dass der Westen, der sich so zivilisiert gibt, nichts unternimmt, um die legitimen Rechte des palästinensischen und libanesischen Volkes zu schützen. Müssen wir warten, dass die islamischen Opec- Mitgliedsstaaten den Ölhahn zudrehen, damit etwas geschieht? Wieso hat das EDA nicht längstens den Schweizer Botschafter in Israel zurückberufen, wo wir doch so stolz darauf sind, dass die Menschenrechtscharta in der Schweiz deponiert ist? - Rene Danziger, Adliswil

Wohnt Ahmadinejad in Adliswil?

vom Freitag, 21.07.

Hauptschuldiger am ewigen Krisenherd in Nahost ist weder die Hizbollah noch die Hamas, noch Israel, sondern einzig und allein die Uno ( bzw. der damalige Völkerbund). Die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, inmitten muslimischer Staaten, war einer der grössten Fehler der Weltgeschichte. Eine friedliche Zukunft in dieser Region ist reinste Utopie. Die einzig vernünftige Lösung ist, das Problem radikal anzugehen: In den USA und in Australien gibts genügend gleichwertiges Land für einen jüdischen Staat.
Ralph Vogelsanger, Adliswil

Schei%&e, Ahmadinejad ist in Adliswil und schreibt unter Decknamen Leserbriefe. Hoffen wir, dass das die israelische Armee nicht mitkriegt, sonst lädt die hier 23 Tonnen Bomben ab.

vom Samstag 22.07.

Bibel und Bleiben.
Die Juden und ihr Staat Israel haben sich das Land in Palästina « angeeignet » unter Berufung auf die Heilige Schrift, dem Auszug aus Ägypten ins Gelobte Land. Die Bibel als Rechtfertigung des Bleibens. Vielleicht wäre es dem Frieden in Nahost dienlich, Israel würde anderen Bibelstellen ebenso viel Gewicht beimessen!?
Roland Müller, Untersiggenthal

Richtig. Das war kein Uno-Beschluss, sondern das Land wurde “angeeignet” unter Berufung auf die Bibel. Ich dachte schon unter Berufung auf den Holocaust, aber der Brief kommt ja nicht aus Adliswil.

Das Recht des Stärkeren.
Unglaublich, was Israel und Amerika sich auf der ganzen Welt erlauben. Was gibt diesen zwei Ländern das Recht, so arrogant, brutal und rücksichtslos aufzutreten?! Es ist, so scheint es, einzig und allein das Recht des Stärkeren. Gepaart mit dem so gefährlichen Irrglauben, die einzigen Gerechten und Unfehlbaren dieser Welt zu sein. Warum verstecken wir Schweizer und Europäer uns bei diesen Gräueltaten hinter einer Mauer des Schweigens? Werden unsere Medien und Politiker von Leuten der Kriegsnation Israel oder deren Glaubensbrüdern beherrscht? Frieden auf der Welt wird es erst geben, wenn Israel und alle Juden dieser Welt ihre Politik und ihre Einstellung im Umgang mit den Mitmenschen grundlegend überdenken und ändern.
Toni Bürgler, Brunnen

Warum wir uns verstecken? Weil wir doch wissen, dass wir nicht die einzigen “Gerechten und Unfehlbaren” sind. Und ja, die Medien werden natürlich von “den Juden” beherrscht. Das wissen wir spätestens seit den Protokollen der Weisen von Zion, dass die an allem Übel Schuld sind. Auch das ist natürlich nicht antisemitisch, Sie üben Kritik.

Hinterhältige Absichten.
Bush und Rice haben Recht, dass ein Land sich selbst verteidigen darf. Nur, wer ist der übermächtige Angreifer und wer der verzweifelte Verteidiger? Israel scheint mir nicht in einer verzweifelten Lage zu sein, der Libanon aber schon! Wenn wir Bushs und Rices Aussage wahr machen wollten, müssten wir jetzt den Libanon mit Waffen aufrüsten, damit ein Gleichgewicht entsteht und der Libanon sich tatsächlich selbst verteidigen kann. Oder die Weltgemeinschaft müsste dem Libanon raschest helfen. – Meines Erachtens wäre es sinnvoll, Israel ein Ultimatum zu stellen, innert ein bis zwei Tagen den Krieg zu stoppen, den es angefangen hat. Andernfalls wird die Weltgemeinschaft Partei für den eindeutig Schwächeren ergreifen.

Ich vermute hinterhältige Absichten der Vereinigten Staaten (USA) und Israels. Es wäre ja möglich, dass die USA aus weltpolitischen Gründen momentan keinen Krieg führen können und dies jetzt über den Ableger Israel tun. Es wäre auch möglich, dass damit der Iran gereizt werden soll. Wenn dieser dann dem Libanon zu Hilfe eilt, könnte dies von den USA entsprechend für die Legitimierung eines Angriffs gegen den Iran genutzt werden.

Damit wäre dann auch das Öl vom Iran gesichert.
Gerry Michel, Meisterschwanden

So ist es. Herr Michel hat den Durchblick. Die Uno sollte schleunigst der Hisbollah zur Hilfe eilen, weil sie so schwach ist und Israel einen Krieg angefangen hat. Ich verleihe Ihnen hiermit den Preis für den dümmsten Leserbrief der Woche! Herzliche Gratulation, Ihr Vorsprung war knapp.

4 Kommentare »

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  1. Aufklärung tut Not, doch die Schweizer Medien, vor allem TV, informieren einseitig zu Lasten Israels; sie zeigen uns, das ist überprüfbar, die immer gleichen zerstörten Häuser in Beirut aus immer wieder neuer Perspektive. Das war schon einmal der Fall bei Reportagen aus Gaza. Ich schaue nach, wann das war und wie wir es aufgerollt haben.

    Comment von anaximander — 24.07.06 um 00:19

  2. Mir war ein Tagi auch vesehentlich in die Finger geraten als ich am Donnerstag mit dem Zug ins Welschland fuhr. Ich traute meinen Augen kaum. Ich hatte mir auch überlegt, das auf meinem Blog zu signalisieren, mitsamt Namen der schändlichen Übeltäter. Danke dass du es nun gemacht hast. Die zwei besten sind ja der Schreiberling, der für eine Massendeportation eintritt (”Ahmadinedjad aus Adliswil”) sowie derjenige, der die “hinterhältigen Absichten” Israels wittert. Die Weltverschwörung kommt! Schliesslich trafen sich diese Zionisten ja auch mal in Basel, nicht wahr?

    Ich sage, es dauert noch eine Woche bis wir zahlreiche Aufforderungen hören, die einem “Kauf nicht bei Juden!” gleichkommen.

    Und ich dachte, ein Umdenken könnte noch stattfinden…

    Comment von Sisyphos — 24.07.06 um 09:41

  3. Leserbriefe im Tages-Anzeiger ber Israel

    Haben Sie schon mal die Leserbriefe des “Tages-Anzeigers” zur Lage im Nahen Osten studiert? Ich warne Sie, es ist schwere Kost. Bastian hat jedenfalls die Mhe auf sich genommen und zitiert diese netten und ausserordentlich kompetenten Personen exklu…

    Trackback von Le Mont De Sisyphe — 24.07.06 um 10:46

  4. Man kann sich auch fragen, warum solche Leserbriefe überhaupt abgedruckt werden. Ich bin sicher, die Redaktionen erhalten noch viel die übleren Briefe und ich weiss auch, dass die Leserbriefe immer noch angepasst, verändert und gekürzt werden. Im Post habe ich es mit Zynismus versucht, aber es ist doch schlicht unerhört, dass jemand behauptet, Frieden werde es nur geben, wenn “alle Juden” ihre Politik und Einstellung änderten.

    Danke für den Trackback, Sisyphos.

    Comment von Bastian — 24.07.06 um 17:10

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