Freie Gedanken

Waffenbesitz: Tradition vs. Kontrollfreaks

von Bastian am 31.08.06

Eine Studie der Universität Zürich, die Waffenbesitz für häufigere Selbstötungen durch Waffen verantwortlich macht, ist ein gefundenes Fressen für jene, denen privater Waffenbesitz ohnehin ein Dorn im Auge ist. Ich frage mich spontan, ob man nicht die Gesamtzahl der Suizide betrachten sollte. Schliesslich spielt es im Endeffekt keine Rolle, ob ein Suizid durch eine Schusswaffe oder auf andere Weise begangen wird.

Nachdem Kriminalität zuwenig argumentative Munition bietet, um gegen Waffenbesitz mobil zu machen, müssen nun die Suizide herhalten. Es wird gefordert, dass die Wehrpflichtigen die Armeewaffe (inkl. versiegelter Munition) nicht mehr zuhause aufbewahren sollen. Soweit dazu überhaupt Statistiken vorhanden sind, deuten sie an, dass Verbrechen mit Armeewaffen selten sind, häufiger sind tatsächlich Selbsttötungen.

Darüber, ob der Staat jedem 20-jährigen eine Waffe in die Hand drücken soll, kann man diskutieren. Militärisch kann es Vorteile bringen, weil ein potentieller (zugegebenermassen zurzeit nicht identifizierbarer) Feind damit rechnen muss, in jedem Haushalt Soldaten anzutreffen. Auch die Erfüllung der Schiesspflicht wird damit erleichtert. Trotzdem bleibt es ein strittiger Punkt. Aus liberaler Sicht ist die allgemeine Wehrpflicht ohnehin abzulehnen. Dadurch würde auch der Streit um die Aufbewahrung von Armeewaffen hinfällig.

Das Problem ist, dass die Argumente nicht nur auf Armeewaffen zielen, sondern auf privaten Waffenbesitz allgemein. Es werden Waffenregister, Verbote und Bewilligungspflichten gefordert. Waffenbesitz ist ein guter Indikator, ob der Staat den Bürgern traut und sie für mündig hält oder eben nicht. Jeder Bürger sollte das Recht haben, zum Selbstschutz Waffen zu besitzen. Es ist schön, wenn man dies nicht für nötig hält und auf die Polizei vertraut. Doch im Notfall kann es zu Situationen kommen, in denen man nicht auf die Polizei zählen kann. Sei es, weil sie nicht rechtzeitig vor Ort ist, um einen zu schützen (z.B. in Katastrophensituationen) oder weil sie aus politischen Gründen einen gar nicht schützen will. Jeder totalitäre Staat muss die Bürger erstmal entwaffnen, um mit ihnen wie Vieh umspringen zu können. Hätten sich deutsche Juden von den Nazis auch wehrlos abführen lassen, hätten sie das Recht auf Waffenbesitz gehabt? Der beste Schutz gegen Totalitarismus und Diktatur sind bewaffnete Bürger.

Auf den ersten Blick mag es einleuchten, dass weniger Waffen zu weniger Kriminalität führen sollen. Doch das ist eine Illusion. Kriminelle haben immer Waffen. Wen der Staat entwaffnen kann, sind rechtschaffene Bürger. Dadurch verschlimmert er die Situation. Eine Welt, in der Kriminelle mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit Gegenwehr zu rechnen haben, ist geradezu ein Paradies für sie. Grossbritannien hat 1997 nach einem Massaker in einer Schule im schottischen Dunblane Faustfeuerwaffen ausnahmslos verboten. Seither haben die Straftaten mit Schusswaffen in England und Wales jährlich zugenommen. Bis 2005 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt und das bei einem der strengsten Waffengesetze (Quelle). Die oben erwähnte Studie der Universität Zürich nennt u.a. England als Vorbild.

Es stimmt zwar, dass Waffenbesitz eine schweizerische Tradition ist. Diese Tatsache ist als Argument für nicht-Konservative jedoch wenig überzeugend. Auf der anderen Seite stehen die Kontrollfreaks, die den Bürgern ihr Recht auf Selbstverteidigung in Notsituationen nehmen wollen. Selbsttötungen sind immer tragisch, aber die Waffen tragen daran nicht die Schuld. Es ist falsch, ein essentielles Bürgerrecht aufzugeben.

Deutsche Journalisten stehen links

von Bastian am 30.08.06

Die Mehrheit der deutschen Journalisten, steht politisch links. Dass dies mehr als ein Vorurteil ist, bestätigt Heribert Seifert auf medienspiegel.ch:

Unter dem Titel «Die Souffleure der Mediengesellschaft» haben einige Kommunikationswissenschaftler abermals die deutschen Journalisten gründlich durchleuchtet und dabei herausgefunden, dass 2005 immerhin 36% die Grünen bevorzugten, 26% die SPD und 1% die PDS/Linkspartei. Unter Journalistinnen haben die Grünen sogar 43% Anhänger. Die sogenannten «bürgerlichen» Parteien erfreuen sich in der schreibenden und sendenden Zunft höchst mickrigen Zuspruchs: 9% bekennen sich als CDU/CSU-Anhänger, 6% stehen der FDP nahe. Gegenüber der vorherigen einschlägigen Untersuchung aus dem Jahr 1993 hat die Linke hier satt zugelegt (+15%), während die Bürgerlichen 6% verloren.

Auch in der Schweiz dürfte es eine linke Mehrheit unter Journalisten geben.

Ahmadinejads Brief an Merkel

von Bastian am 29.08.06

Ahmadinejad hat eine deutsche Übersetzung seines Briefes an Merkel veröffentlicht. Einmal mehr offenbart der iranische Führer sein religiös-fanatisches sowie antisemitisches Weltbild. Er apelliert an Deutschland, einer “Unterdrückung durch die Zionisten” entgegenzutreten, die er als eines der Hauptübel unserer Zeit ausmachen will. Wenn der Mann nicht gefährlich wäre, würde ich ihn als Spinner abtun. Lesen Sie dazu die Ausschnitte und den - wie immer brillianten - Kommentar auf dem Kosmoblog.

Smokism

von Bastian am 25.08.06

Smokism, die systematische Unterdrückung von Rauchern, greift auch in der Schweiz um sich. Aus diesem Grund ein passender Ausschnitt aus der “Daily Show” mit Stephen Colbert. Manchmal muss man es mit Humor nehmen.


Was wollen die Mullahs?

von Bastian am 22.08.06

Ulrich Tilgner in der Tagesschau:

“Nein, es ist kein Spiel auf Zeit.”

Überschrift in der NZZ Online:

Iran will im Atomstreit Zeit gewinnen.

Hmm. Ich tendiere zu letzterer Einschätzung.

Schuluniformen: Ist das liberal?

von Bastian am 18.08.06

Die FDP Schweiz ist im Begriff, die Einführung von Schuluniformen zu fordern. Dazu wollte ich eigentlich etwas schreiben. Helmut Stalder im heutigen Tages-Anzeiger nimmt mir diese Aufgabe ab. Unter dem Titel “Liberale Zwangsjacken” fragt er: “Ist das liberal?”

Nur muss man sich fra­gen, was das alles mit den liberalen Werten zu tun hat, welche die Freisinnigen – sorry, sie nennen sich jetzt «Wir Liberalen» – seit geraumer Zeit zu reaktivieren versuchen. Schuluniformen verkörpern ziemlich das Gegenteil all dessen, was liberal wäre.

Freiheit: Uniformen bedeuten Zwang, Eingriff in die eigene Entscheidungsbefug­nis, Aufgabe von Freiheit. Ist das liberal? Selbstverantwortung: Obligatorische Schultracht heisst, dass andere entschei­den. Schüler müssen sich nicht mehr den Konsequenzen ihres Aufzugs stellen. El­tern, Lehrer, Schulleitungen delegieren die Verantwortung an den Staat. Liberal? Individualismus: Kleider sind Aus­druck von Stil und Persönlichkeit. Jugend­liche auf der Suche nach ihrer Identität dürfen nicht mehr ausprobieren, wie sie sich darstellen wollen. Ist das liberal?

Kapitalismus: Uniformen helfen auch, die soziale Herkunft zu verdecken. Das kann Kinder und Eltern in ärmeren Ver­hältnissen entlasten. Nur: Seit wann ist es – aus liberaler Sicht – anstössig, dass sich die einen mehr leisten können als andere? Toleranz: Wie Mao Zedong in der chi­nesischen Kulturrevolution keine Abwei­chung zu dulden und die Staatskinder ins Einheitstenü zu stecken – womöglich noch freisinnig-blau –, ist das liberal?

Ist das liberal? Nein, überhaupt nicht. Gewinnt man damit junge urbane Wähler? Kaum. Verwischt es weiter das Profil einer sich liberal schimpfenden Partei? Ja, das tut es.

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