Freie Gedanken

Libanonkrieg: Eine Verschwörung?

von Bastian am 15.08.06

Die Recherchen Seymour Hershs zum Libanonkrieg geben zu reden und dürften auch in den hiesigen Medien auftauchen. Er stellt die Behauptung auf, der Krieg im Libanon sei ein Probelauf der USA und Israels für einen Krieg gegen den Iran. Ich empfehle, den Originalartikel im New Yorker zu lesen. Im Gegensatz zur Zusammenfassung auf SpOn ist Hersh Artikel unaufgeregter und ausführlicher.

Es ist gut vorstellbar, wenn nicht zu erwarten, dass Geheimdienste und Militär befreundeter Staaten Informationen austauschen und gewisse (unverbindlichen) Absprachen treffen. Insbesondere wenn sie Feindseligkeiten erwarten. Hersh schreibt:

In the late May intercepted conversation, the consultant told me, the Hamas leadership said that “they got no benefit from it, and were losing standing among the Palestinian population.” The conclusion, he said, was “ ‘Let’s go back into the terror business and then try and wrestle concessions from the Israeli government.’ ” The consultant told me that the U.S. and Israel agreed that if the Hamas leadership did so, and if Nasrallah backed them up, there should be “a full-scale response.” In the next several weeks, when Hamas began digging the tunnel into Israel, the consultant said, Unit 8200 “picked up signals intelligence involving Hamas, Syria, and Hezbollah, saying, in essence, that they wanted Hezbollah to ‘warm up’ the north.”

Ich halte es ebenso für vorstellbar, dass es der Bush-Regierung gelegen kam, dass Israel gegen die Hisbollah vorging. Schliesslich stand die “Partei Gottes” nach der bejubelten Zedernrevolution einem demokratischen Libanon im Wege. Condi Rice erwähnte immer wieder, dass in diesem Konflikt auch eine Chance für einen “new middle east” stecke. Eine Hoffnung, die ich nicht unbedingt teile und die ich angesichts der Resultate für viel zu optimistisch halte.

Trotzdem wird die israelische Regierung nicht auf eine Absegnung ihrer Pläne durch Washington angewiesen sein. Sie hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie selbständig und nach eigenem Interesse handelt. Schon die Reaktion auf die Entführung eines Soldaten im Gazastreifen war heftig ausgefallen. Die wechselnde Strategie und die ändernden Zielvorgaben während des Krieges weisen eher auf einen überstürzten Gegenschlag hin, denn auf einen von langer Hand vorbereiteten “Präventivkrieg”.

Leider bleiben Hershs Quellen anonym und somit unüberprüfbar. Seine Recherchen und Zitate von Insidern sind interessant. Jedoch wird nicht klar, wie repräsentativ aussagekräftig die zitierten Einschätzungen sind. Bevor man daraus voreilige Schlüsse zieht, ist auch Skepsis angebracht.

Mehr zum Thema bei den bissigen Liberalen. Ulrich “Kosmoblog” Speck trifft es in seinem dortigen Kommentar ganz gut:

[D]ass aus militärischer Sicht der Libanonkrieg ein Probelauf war, ist nicht von der Hand zu weisen. Immerhin wurde die eine Seite von Achmadinedschads Revolutionären Garden ausgebildet und bewaffnet, und die Seite von Washington ausgerüstet. Die Bunkersysteme und die bunkerbrechenden Bomben spielen in einem Iran-Kriegs-Szenario eine wichtige Rolle.

Nur - und das ist der verschwörungstheoretische Unsinn: das war nicht der Grund für den Krieg. Der Grund für den Krieg sind permanenten Angriffe der Hisbollah, die Israel klar gemacht haben, dass es mit der Hisbollah-Guerilla keinen Frieden gibt.

Klar, dass nicht der rationale Kern, sondern der verschwörungstheoretische Unsinn Schlagzeilen macht.

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