Freie Gedanken

Günter GraSS

von Bastian am 16.08.06

Vielleicht ist es zu einfach, nun auf Günter Grass herumzuhacken. Die Blechtrommel habe ich mit Genuss gelesen und der Nobelpreis, den er dafür erhielt, wird auch durch seine Vergangenheit nicht abgewertet. Anders der politische Grass: Seine unqualifizierten politischen Äusserungen waren schon immer eine Zumutung. Mit seinem Geständnis reiht er sich ein in eine Tradition prominenter europäischer Intellektueller (u.a. Jean-Paul Sartre), die die Gefahr des Faschismus nicht erkannten und dieses Defizit später durch einen penetranten Linksextremismus zu kompensieren suchten. Dem Hang zu Antiliberalismus und Totalitarismus konnte er dabei treu bleiben, wie dieser Kommentar in der FTD bemerkt:

Wie gelangt ein junger Mann, der bei der Waffen-SS diente und dies später als Irrtum erkannte, in seinem weiteren Leben zu einem so radikalen Antiliberalismus? Grass’ Geschichte spiegelt die Lebenslüge der deutschen Linken. Sie glaubten, links sei das Gegenteil von rechts, und linksextrem sei das Gegenteil von rechtsextrem. Sie sahen sich als die wahren Antinazis. Sie betrachteten die bürgerlichen Parteien CDU, CSU und FDP als die Fortsetzung des Faschismus mit anderen Mitteln. Noch absurder ist, dass sie die USA in demselben Licht betrachteten, ungeachtet dessen, dass ohne Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg der Faschismus gesiegt hätte.

Sie übersahen, dass sich die Extreme des politischen Spektrums überlappen. Linke und rechte Extreme haben gemein, dass sie individuelle Freiheit und Marktwirtschaft ablehnen. Sie mögen zwar unterschiedlich stark antiamerikanisch, antikapitalistisch und antisemitisch sein. Aber es sollte nicht erstaunen, dass einer, der heute am linken politischen Rand gegen Amerika pöbelt, irgendwann von der rechten Seite her gegen Amerika kämpfte.

2 Kommentare »

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  1. Tja, da lass ich mal Dürrenmatt sprechen:
    “Günter Grass hat mir sehr höflich den Butt versprochen, aber er hat ihn dann nie geschickt, also brauchte ich ihn auch nicht zu lesen. Der Grass ist mir einfach zu wenig intelligent, um so dicke Bücher zu schreiben.”

    Comment von anaximander — 16.08.06 um 17:48

  2. Mir hat Günter Grass vor 20 Jahren tief in die Augen geblickt.Seinen Butt habe ich mangels Zeit und weil ich solche fetten Schmöker immer schon haßte, nicht gelesen.
    Ich finde beide Gedanken ,die ich hier lese, für mich stimmig:
    a)Grass mußte sich den deutschen Linken hingeben ,um seine
    faux pas in später Jugend zu kompensieren-klingt analytisch logisch
    b) Wahrscheinlich ist er wirklich nicht intelligent genug, so fette Schinken zu schreiben.In der Süddeutschen Zeitung stand vorletztes Wochenende ein guter Kommentar zu seiner Biographie, die scheinbar sich in Metaphern maniristisch
    bunt langweilt, da überzeichnet und überzogen.
    c) Das ist jetzt meine Theorie:es hat doch prima hingehauen der PR-Gag.150000 Vorbestellungen und die Kohle ist gesichert.Selbst ich muß mich zurückhalten, dieses Epos zu kaufen.Da es aber jetzt alle lesen wollen und ich mir meine
    eigenen Stilmittel wähle und man auch Metaphern erbricht, liest man davon zuviele-erspare ich mir das Werk.

    Comment von Agnes — 28.08.06 um 15:32

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