Freie Gedanken

Waffenbesitz: Tradition vs. Kontrollfreaks

von Bastian am 31.08.06

Eine Studie der Universität Zürich, die Waffenbesitz für häufigere Selbstötungen durch Waffen verantwortlich macht, ist ein gefundenes Fressen für jene, denen privater Waffenbesitz ohnehin ein Dorn im Auge ist. Ich frage mich spontan, ob man nicht die Gesamtzahl der Suizide betrachten sollte. Schliesslich spielt es im Endeffekt keine Rolle, ob ein Suizid durch eine Schusswaffe oder auf andere Weise begangen wird.

Nachdem Kriminalität zuwenig argumentative Munition bietet, um gegen Waffenbesitz mobil zu machen, müssen nun die Suizide herhalten. Es wird gefordert, dass die Wehrpflichtigen die Armeewaffe (inkl. versiegelter Munition) nicht mehr zuhause aufbewahren sollen. Soweit dazu überhaupt Statistiken vorhanden sind, deuten sie an, dass Verbrechen mit Armeewaffen selten sind, häufiger sind tatsächlich Selbsttötungen.

Darüber, ob der Staat jedem 20-jährigen eine Waffe in die Hand drücken soll, kann man diskutieren. Militärisch kann es Vorteile bringen, weil ein potentieller (zugegebenermassen zurzeit nicht identifizierbarer) Feind damit rechnen muss, in jedem Haushalt Soldaten anzutreffen. Auch die Erfüllung der Schiesspflicht wird damit erleichtert. Trotzdem bleibt es ein strittiger Punkt. Aus liberaler Sicht ist die allgemeine Wehrpflicht ohnehin abzulehnen. Dadurch würde auch der Streit um die Aufbewahrung von Armeewaffen hinfällig.

Das Problem ist, dass die Argumente nicht nur auf Armeewaffen zielen, sondern auf privaten Waffenbesitz allgemein. Es werden Waffenregister, Verbote und Bewilligungspflichten gefordert. Waffenbesitz ist ein guter Indikator, ob der Staat den Bürgern traut und sie für mündig hält oder eben nicht. Jeder Bürger sollte das Recht haben, zum Selbstschutz Waffen zu besitzen. Es ist schön, wenn man dies nicht für nötig hält und auf die Polizei vertraut. Doch im Notfall kann es zu Situationen kommen, in denen man nicht auf die Polizei zählen kann. Sei es, weil sie nicht rechtzeitig vor Ort ist, um einen zu schützen (z.B. in Katastrophensituationen) oder weil sie aus politischen Gründen einen gar nicht schützen will. Jeder totalitäre Staat muss die Bürger erstmal entwaffnen, um mit ihnen wie Vieh umspringen zu können. Hätten sich deutsche Juden von den Nazis auch wehrlos abführen lassen, hätten sie das Recht auf Waffenbesitz gehabt? Der beste Schutz gegen Totalitarismus und Diktatur sind bewaffnete Bürger.

Auf den ersten Blick mag es einleuchten, dass weniger Waffen zu weniger Kriminalität führen sollen. Doch das ist eine Illusion. Kriminelle haben immer Waffen. Wen der Staat entwaffnen kann, sind rechtschaffene Bürger. Dadurch verschlimmert er die Situation. Eine Welt, in der Kriminelle mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit Gegenwehr zu rechnen haben, ist geradezu ein Paradies für sie. Grossbritannien hat 1997 nach einem Massaker in einer Schule im schottischen Dunblane Faustfeuerwaffen ausnahmslos verboten. Seither haben die Straftaten mit Schusswaffen in England und Wales jährlich zugenommen. Bis 2005 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt und das bei einem der strengsten Waffengesetze (Quelle). Die oben erwähnte Studie der Universität Zürich nennt u.a. England als Vorbild.

Es stimmt zwar, dass Waffenbesitz eine schweizerische Tradition ist. Diese Tatsache ist als Argument für nicht-Konservative jedoch wenig überzeugend. Auf der anderen Seite stehen die Kontrollfreaks, die den Bürgern ihr Recht auf Selbstverteidigung in Notsituationen nehmen wollen. Selbsttötungen sind immer tragisch, aber die Waffen tragen daran nicht die Schuld. Es ist falsch, ein essentielles Bürgerrecht aufzugeben.

14 Kommentare »

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  1. Ja genau. Jeder sollte eine Waffe haben. Denn jeder geht ja auch verantwortungsbewußt damit um. Natürlich sollten auch die Zuschauer und Teilnehmer von “Vera am Mittag” Schusswaffen besitzen. Gerade sie wissen doch, wie man sachgerecht damit umgeht. Und wenn die Polizei wieder mal ein wenig auf totalitär macht, dann kann eben auch mal zurückschießen. Das ist doch ein Bürgerrecht. Selbstverständlich nur zur Selbstverteidigung.

    Comment von Volker — 31.08.06 um 19:57

  2. Ich sage nicht, dass jeder eine Schusswaffe haben sollte, aber jeder mündige Bürger sollte das Recht haben, eine zu besitzen. Ich habe z.B. im Moment kein Bedürfnis, eine Waffe zu besitzen. Aber ich möchte nicht ausschliessen, dass sich das irgendwann ändert.

    Warum sollten Teilnehmer von “Vera am Mittag” nicht sachgerecht damit umgehen können? Eine solche Haltung ist überheblich. Sag doch gleich, dass du diese Menschen bevormunden möchtest, konsequenterweise auch in allen anderen Lebensbereichen. Offenbar hältst du sie für komplett unfähig, verantwortungsbewusst zu handeln und eigene Entscheidungen zu treffen.

    Comment von Bastian — 31.08.06 um 20:06

  3. Der Blick war wieder mal schneller, und ich musste natürlich darüber herfallen.

    Aber diese ‘Forscher’ haben wieder mal ein hervorragendes Stück ‘Science’ fabriziert. Durch gewisse Auslassungen wurde es aber zu ‘Junk Science’.

    Comment von mousseman — 31.08.06 um 20:19

  4. Der beste Schutz gegen Totalitarismus und Diktatur sind bewaffnete Bürger.

    Sehr gut gesagt.

    Comment von CptEggman — 01.09.06 um 11:51

  5. Die Schweiz ist eine bewaffnete Demokratie. Neben Israel ist die Schweiz der einzige Staat, der seinen militärdienstleistenden Männern eine Waffe überlässt. Das hat mit einem besonderen Selbstverständnis zu tun. Ich bin mir bewusst, dass jeder dieser Sätze Widerspruch erzeugt. Aber ich bin ebenfalls der Meinung, dass der bewaffnete Bürger den Obristenputsch verhindert. Dass die Schweiz eine der höchsten Selbstmordraten hat, hat nichts mit den Ordonanzwaffen zu tun. Wurde übrigens in früheren Jahren zeitgeistig anders interpretiert. Ich habe es als Vertrauensbeweis des Staates empfunden, als mir nach Dienstende meine Pistole mit P gestempelt überlassen wurde.

    Comment von M.M. — 01.09.06 um 22:36

  6. Sehr guter Beitrag! Auch in den USA ist das Recht auf Waffenbesitz historisch gesehen in der Freiheit der Amerikaner begründet. Die Revolution gegen die Briten wäre nicht möglich gewesen, wenn die Amerikaner nicht Waffen besessen hätten. Lange bevor es eine richtige Armee gab und selbst dann noch, waren es die bewaffneten Bürger (Milizen), die die Hauptlast des Kampfes trugen (Minutemen, Bürger die nur wenige Minuten Alarm brauchen um kampfbereit zu sein).

    Daraus hat sich die Gewissheit entwickelt, dass man gegen eine tyrannische Regierung am besten geschützt ist, wenn man bewaffnete Bürger hat (was sicherlich richtig ist, wenn man sich in der Welt umschaut. Die Schweizer haben das Prinzip ebenfalls verstanden, während in totalitaeren Systemen Bürger nie Waffen besitzen dürfen).

    Was mich an der ganzen Waffendiskussion immer amüsiert ist, dass linke Europäer und Michael Moore - Fans anscheinend gar nicht begreifen und wissen wollen, wie viele Straftaten z.B. in Deutschland mit Waffen begangen werden. Gerade gestern ist in den Nachrichten mal wieder, dass ein Mädchen in der Schule angeschossen wurde.
    http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/09/01/maedchen-angeschossen-lehrer/maedchen-angeschossen-lehrer.html
    In Duisburg, nicht in Denver. Michael Moore fans dürften das gar nicht verstehen, denn die deutschen Waffengesetze sind doch sooo gut.

    In Wirklichkeit ist es in USA und woanders so, dass die meisten Verbrechen mit Waffen verübt werden, die entweder gar nicht legal besessen werden, oder die der Täter nach Gesetzeslage gar nicht benutzen dürfte, wie auch in dem Fall von Duisburg.

    Oder anders gesagt: die Waffengesetze verhindern keine einzige Straftat sondern nur dass rechtschaffende Buerger Waffen zu ihrer Verteidigung besitzen duerfen.

    Comment von Boomer — 02.09.06 um 12:31

  7. “Gun Control is not about guns, but about control.”

    - Unknown

    Comment von mousseman — 02.09.06 um 14:11

  8. INTERESSANTER BEITRAG! In ein paar Dingen stimme ich dir zwar zu, in vielen aber nicht.

    “Der beste Schutz gegen Totalitarismus und Diktatur sind bewaffnete Bürger.”

    Hier muss ich dir widersprechen. Gehen wir mal davon aus, in der Schweiz entwickelt sich allmählich ein totalitärer Staat. Vielleicht würden Bürgerrechte abgeschafft, vielleicht nicht. Schlussendlich hätten diese sowieso keine Geltung mehr. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass sich 08/15-Schweizer seine Ordonnanzwaffe schnappen und sich mit seinen Bierkollegen im Wald treffen würde, um einen bewaffneten Putsch zu vereinbaren. Das ist doch lächerlich. Wenn die Juden Waffen gehabt hätten, hätten sie sie auch nicht gebraucht. Für einen Putsch braucht es mehr als Waffen, nämlich Organisation, Zusammenhalt und vor allem viel Zivilcourage- und die haben wir -genauso wie die meisten Menschen/Völkergruppen in x-beliebigen Ländern- nicht. Wer wegschaut, wenn jemand auf der Strasse verprügelt wird, der hebt auch nicht seine Stimme, wenn es nötig wäre.

    “Eine Welt, in der Kriminelle mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit Gegenwehr zu rechnen haben, ist geradezu ein Paradies für sie.”

    Ich kenne keinen bekannten Fall, in dem in der Schweiz irgendein Schweizer mit seiner Ordonnanzwaffe bewaffneten Widerstand gegen einen Einbrecher/Eindringling geleistet hätte. Und das ist auch gut so. Ich denke, wir haben ein einigermassen sinnvolles und zum Glück nicht-korruptes Polizeisystem, auf das wir uns in den meisten Fällen verlassen können. Ich bin auch kein Polizeifan und Fan von einem Staat, der den Bürger kontrolliert und alles durch Gesetze und Ordnung regelt, aber trotzdem.

    “Ich frage mich spontan, ob man nicht die Gesamtzahl der Suizide betrachten sollte. Schliesslich spielt es im Endeffekt keine Rolle, ob ein Suizid durch eine Schusswaffe oder auf andere Weise begangen wird.”

    Stimme dir hier hundertprozentig zu. Finde es lächerlich, wie die Suizidrate auf diesen Fakt reduziert wird und damit begründet wird. Das hat etwas Amerikanisches. Dort werden auch riesige Konzerne verklagt, weil irgendein Kid eine Schuwsswaffe kaufen konnte und ein Massaker angerichtet hat. Es geht dort immer um Schuldzuweisung, und auch hier gehen wir langsam in diese Richtung, was ich bedenklich finde.
    Suizide sind garantiert nicht die Folge von Ordonnanz- oder sonstigen Waffen. Auch Verbrechen gäbe es im gleichen Mass, wenn Waffen weniger zugänglich wären, denke ich.
    Der wahre Grund hinter hohen Suizidraten und Massakern an Schulen whatever liegt in unserer kranken, gewaltorientierten und militanten Gesellschaft. Ein verdammt weitläufiger Begriff, den ich hier nicht erklären will.

    Schlussendlich kann ich einfach sagen, dass ich die Tatsache, dass Rekruten und andere AdAs ihre Ordonanzwaffe nach Hause nehmen können, nur noch dumm finde. Wie meine Argumente gezeigt haben, wird die Ordonnanzwaffe zu Hause einfach nicht gebraucht. Und das Argument von nicht identifizierbaren Agressor und Feind, den es zu besiegen gilt, ist auch ein bisschen weit hergeholt.
    Was ich bedenklich finde, ist, dass sehr viele junge Menschen, Frau und Mann, wöchentlich zu ihrem Schützenhäusle fahren und dort ihre Munition wegballern und so eigentlich schon im frühen Alter lernen, wie man einen Menschen am besten verwundet. Sport? Spiel? Schlussendlich geht es nur um das Töten, denn Waffen sind für nichts anderes gemacht, basta. Wenn jetzt jeder eine O-Waffe zu Hause hat, dann fördert das meiner Meinung nach den Militarismus in unserem Land. Krieg beginnt mit der Bereitschaft, eine Waffe auf ein Ziel abzufeuern, wenn nicht schon mit der Bereitschaft, eine Waffe in die Finger zu nehmen. Krieg beginnt in den Köpfen. Wir können nur zu einer gesunderen Gesellschaft finden, wenn wir endlich wegkommen von unserer Tradition mit dem Sturmgewehr an unserer Seite und dem Blut an unseren Händen.
    Oh ja, die Schweiz hat viel Blut an den Händen, man beachte, wieviel Schweizer Söldner im Laufe der Geschichte in anderen Regimes für irgendwelche sinnlosen Ziele gekämpft haben. Die Schweiz war das Exportland Nr.1 in Sachen Söldner.

    Comment von Timriddance — 03.09.06 um 11:39

  9. Exzellenter Beitrag (gilt übrigens auch für die Kommentare, mit Ausnahme von “Vera”). Die Diskussion über die Ordonnanzwaffen ist im Endeffekt nur imer das Vorspiel bzgl. einer Verschärfung des privaten Waffenrechts.

    Comment von Sisyphos — 03.09.06 um 11:41

  10. @ Tim, lass mich auf ein paar Punkte eingehen:

    Hier muss ich dir widersprechen. Gehen wir mal davon aus, in der Schweiz entwickelt sich allmählich ein totalitärer Staat. Vielleicht würden Bürgerrechte abgeschafft, vielleicht nicht. Schlussendlich hätten diese sowieso keine Geltung mehr. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass sich 08/15-Schweizer seine Ordonnanzwaffe schnappen und sich mit seinen Bierkollegen im Wald treffen würde, um einen bewaffneten Putsch zu vereinbaren. Das ist doch lächerlich.

    In der Geschichte führten sich totalitäre Staatsformen nicht schleichend ein, sondern mit einem Knall. Einer Revolution, einer Wahl mit anschliessender Aushebelung der Verfassung, einem Militärputsch, etc. Das gestaltet sich natürlich schon mal einfacher, wenn man sich sicher sein kann, dass sich niemand wehren wird. Vielleicht mag es aus heutiger Sicht unwahrscheinlich anmuten, aber ich bin davon überzeugt, dass wenn die Unterdrückung gross genug wäre, sich immer Widerstand formieren würde. Ob dieser Erfolg hätte, steht natürlich auf einem andern Blatt.

    Es ist ein nationaler Mythos, aber der Tyrannenmord Tells ist eigentlich das perfekte Beispiel.

    Ich kenne keinen bekannten Fall, in dem in der Schweiz irgendein Schweizer mit seiner Ordonnanzwaffe bewaffneten Widerstand gegen einen Einbrecher/Eindringling geleistet hätte. Und das ist auch gut so.

    Die Ordonnanzwaffe ist dazu auch nicht geeignet. Ob jemand von seinem Recht auf Notwehr Gebrauch machen will, sei dem Einzelnen überlassen. Es ist von der Situation und deren Ausgang abhängig, ob es als gut oder schlecht zu bezeichnen ist.

    Mir geht es da auch nicht um die Armeewaffe, sondern um privaten Waffenbesitz allgemein. Man muss trennen zwischen der Ordonnanzwaffe, die der Staat jedem AdA mit nach Hause gibt und dem Recht des Einzelnen, eigene Waffen zu besitzen. Wie Sisyphos aber richtig sagt, ist die Diskussion um Ordonnanzwaffen für die Politiker nur ein Vorspiel, um privaten Waffenbesitz einzuschränken, weil sich die vorgebrachten “Argumente” auf sämtliche Waffen zielen.

    Schlussendlich geht es nur um das Töten, denn Waffen sind für nichts anderes gemacht, basta.

    Sie können durchaus Sportgerät sein. Es kommt immer auf die Verwendung an. Du würdest auch keiner Frau von einem Selbstverteidigungskurs abraten, nur weil das Gelernte zum Schaden anderer angewendet werden könnte. Ähnlich verhält es sich mit Kleinwaffen. Sie können gerade physisch Schwächeren helfen, Schlimmeres zu verhindern, indem es jenen möglich ist, einen Angreifer zu verletzen.

    Comment von Bastian — 03.09.06 um 17:14

  11. In der Geschichte führten sich totalitäre Staatsformen nicht schleichend ein, sondern mit einem Knall.

    Naja. Schlussendlich gibt es immer einen Moment, in dem die totalitäre Partei/Regierung die Macht ergreift, ob jetzt durch Revolution, Regierungsbildung, etc, da geb ich dir recht.

    Aber hätten die z.B. die Nazis nicht gaaaaaanz klein angefangen und jahrelang den Hass bei der Bevölkerung auf die Juden geschürt, die Kommunisten für die Niederlage im 1. WK verantwortlich gemacht, die Wahlgegner terrorisiert, usw, dann hätten sie die Macht nicht übernehmen können.

    Ich will nicht ausschweifen, aber finde einfach, dass dieses Argument nicht zählt. Vielleicht wird es teilweise bewaffneten Widerstand geben, aber das ist doch eher romantisches Wunschdenken.

    Abgesehen davon hat die ganze Sache mit dem Widerstand gar nicht viel mit Waffenbesitz zu tun. Ob sich jetzt Widerstand formt oder nicht, und wie erfolgreich er sein wird, hängt doch nicht so stark von den Waffen ab, die jemand besitzt. Schlussendlich kann man sie immer kriegen, über welche Umwege auch immer.

    Mir geht es da auch nicht um die Armeewaffe, sondern um privaten Waffenbesitz allgemein. Man muss trennen zwischen der Ordonnanzwaffe, die der Staat jedem AdA mit nach Hause gibt und dem Recht des Einzelnen, eigene Waffen zu besitzen. Wie Sisyphos aber richtig sagt, ist die Diskussion um Ordonnanzwaffen für die Politiker nur ein Vorspiel, um privaten Waffenbesitz einzuschränken, weil sich die vorgebrachten “Argumente” auf sämtliche Waffen zielen.

    Aha, so ist das. Ich kann mich persönlich auch nicht gegen ein generelles Waffen-Verbot aussprechen. Allgemein finde ich, dass umso mehr Gesetze umso mehr Unselbständigkeit bei den Leuten auslöst- das ist ja auch der liberale Grundgedanke, nicht?

    Trotzdem fände ich es schön, wenn man erreichen könnte, dass Waffen hier nicht mehr nötig wären (Sind sie eigentlich auch nicht, oder? Ich habe auch noch nie von Leuten gehört, die sich mit Privatwaffen gegen Einbrecher gewehrt hätten, vielmehr waren es Schusswechsel zwischen Streithähnen etc, die Tote gefordert haben). Vielleicht, indem man eben doch Gesetze verabschiedet oder Prävention betreibt, und da sehe ich noch zuwenig Handlung in unserer Politik.

    Oben habe ich die amerikanischen Umstände kritisiert, wo alles und jeder für die Opfer von Waffen verantwortlich gemacht wird. Fakt ist aber wirklich, dass die Amerikaner einfach total im Waffenrausch stecken. Über 11′000 Leute sterben dort jährlich durch Unfälle und Morde mit Schusswaffen, wobei die Unfälle eben auch sehr hoch sind. Und dort sind die Leute ja verdammt stolz darauf, eine Waffe zu besitzen, und sehen es auch als “gottgegebenes” Bürgerrecht an. Man beachte die NRA (National Rifle Association). In dieser Form macht mir die Sache eben Angst. Ob jetzt Bürgerrecht oder nicht, so weit darf es in der Schweiz nie kommen, dann gebe ich lieber eins von meinen Bürgerrechten ab.

    Sie können durchaus Sportgerät sein. Es kommt immer auf die Verwendung an. Du würdest auch keiner Frau von einem Selbstverteidigungskurs abraten, nur weil das Gelernte zum Schaden anderer angewendet werden könnte. Ähnlich verhält es sich mit Kleinwaffen. Sie können gerade physisch Schwächeren helfen, Schlimmeres zu verhindern, indem es jenen möglich ist, einen Angreifer zu verletzen.

    Ich sehe einfach keine Realitätsnähe. Es gibt viele Leute, die haben Pfeffersprays, Elektroshocker, Kleinwaffen, etc. Aber gebrauchen können sie sie doch nie, da sie das Zeug nicht immer herumschleppen wollen und auch sehr selten in so eine Situation kommen. Wir sind hier einfach nicht in NYC.
    Selbstverteidigungskürse sind natürlich etwas anderes.

    Und ja, Waffen können Sportgerät sein. Aber usprünglich sind Waffen immer zum Töten konzipiert, und wenn sie jetzt als Sportgerät verwendet werden (Tontaubenschiessen, Biathlon), dann hat das für mich immer noch einen versteckten Militarismus, ich finde es sogar noch schlimmer, da auf diese Weise Waffen auf eine anscheinend sportliche Art und Weise in das Bewusstsein der Leute hineingeschrieben werden. Ich bin überzeugt, dass ein Kind, das mit 15 in den Schützenverein geht, zu stark an die Waffe und an den Militarismus gewöhnt wird und später auch schneller zur Waffe greift.

    Versteh mich nicht falsch, ich bin kein Hippie oder Öko-Bruder, aber ich finde einfach, dass der erste Schritt zu einer gewaltfreieren Gesellschaft darauf basiert, alle gewaltverherrlichenden Objekte abzuschaffen.

    Comment von Timriddance — 03.09.06 um 18:41

  12. Ich bin kein Waffennarr, Militarist oder ähnliches. Persönlich habe ich grossen Respekt vor Waffen. Ich fände es auch schön, in einer gewaltfreien Gesellschaft zu leben, in der Waffen gar nicht nötig sind. Nur sagt mir mein Realitätssinn, das dies nicht möglich ist und dass der Weg dahin nicht über Waffenverbote führt, die wie gesagt nie Kriminelle treffen.

    Ich verherrliche Waffen nicht und rate niemandem, sich zu bewaffnen. ABER sollte sich jemand, aus welchen Gründen auch immer, bedroht fühlen, sollte er das Recht haben, sich zu schützen, auch mit einer Waffe. Das ist Teil individueller Freiheit und dieses Recht will ich erhalten. Auch wenn ich hoffe, davon persönlich nie Gebrauch machen zu müssen oder in einer entsprechenden Situation vielleicht freiwillig darauf verzichten würde.

    Comment von Bastian — 03.09.06 um 21:52

  13. “”Fakt ist aber wirklich, dass die Amerikaner einfach total im Waffenrausch stecken. Über 11′000 Leute sterben dort jährlich durch Unfälle und Morde mit Schusswaffen, wobei die Unfälle eben auch sehr hoch sind.”"

    Hm, aber was hat das mit Waffengesetzen zu tun?

    Mord ist auch in den USA verboten.

    In Deutschland ist z.B. fast unmöglich, legal eine (Schuss-)Waffe zu besitzen, jedoch ist fast jeder dahergelaufene Bankräuber, Vergewaltiger und Drogenhändler bewaffnet, trotz der superstrengen Waffengesetze.

    Wenn die Waffengesetze effektiv wären, dann dürften in Deutschland nicht so viele Tötungsdelikte mit Waffen passieren.

    Wer Waffen benutzen will um damit Menschen zu töten kümmert sich in der Regel nämlich nicht darum, ob der Besitz von Waffen verboten ist oder nicht. Die zu erwartende Strafe für Waffenbesitz verblasst eh gegenueber der zu erwartenden Strafe fuer Mord oder Totschlag.

    Wer sich allein von den Waffengesetzen abschrecken lässt eine Waffe zu besitzen sind die rechtschaffenden Bürger, die sich damit gegen diejenigen verteidigen würden, die Waffen zum Morden benutzen. Bestraft wird hier allein der gesetzestreue Bürger.

    Meiner Meinung nach wirken die Waffengesetze nicht in der Weise, wie Idealisten sich das vorstellen.

    Auch sollte man eines zum Beispiel nicht übersehen:

    In den USA nimmt die Zahl der Gewaltverbrechen seit Jahren stark ab, in Europa seit Jahren stark zu.

    Besonders krass ist es in England. Seit Einführung äusserst strenger Waffengesetze in den letzten Jahren ist die Gewaltkriminalität dort regelrecht explodiert. Wären Waffengesetze effektiv, dürfte das nicht sein.

    In USA hingegen, wurden seit 1995 in vielen Bundesstaaten die Waffengesetze stark gelockert und “right to carry” Gesetze eingeführt.

    Comment von Boomer — 03.09.06 um 22:51

  14. @ Timriddance

    In einem Punkt muss ich dir widersprechen:
    “Schlussendlich geht es nur um das Töten, denn Waffen sind für nichts anderes gemacht, basta.”
    Ich selbst bin ambitionierter Sportschütze in den Kategorien Luftgewehr und Kleinkaliber. Und eines kannst du mir glauben. Wann immer ich erwähne, dass ich Sportschütze bin, machen die Leute einen Schritt zurück. Es ist extrem anstrengend, immer wieder zu betonen, dass ich nicht täglich mit einer Schusswaffe in der Öffentlichkeit herumlaufe und dass ich kein verrückter Massenmörder bin, der wahllos Leute “umnietet”. Deshalb finde ich den Satz, dass Waffen nur zum töte sind etwas daneben.

    Natürlich gebe ich zu, dass sie nicht unbedingt aus ethischen Gründen entwickelt wurden. Und mein Luftgewehr ist in meinen Händen nicht tödlicher oder gefählicher als ein Auto in den Händen eines langjährigen Automobilisten.

    Eine Waffe ist nicht, eine Waffe wird.
    Man kann alles in eine Waffe verwandeln, man braucht nur genug Geschicklichkeit und Einfallsreichtum.

    Auch die Aussage, dass Ordonnanzwaffen nicht in den Privathaushalt gehören, kann ich verstehen, wenn man sich nicht dafür interessiert oder man gar etwas Angst davor hat. Für viele sind es einfach 4.1kg nervendes Zusatzgepäck auf dem Weg zum WK. Aber allein die Kostenfrage ist schon eindeutig. Geschweige vom logistischen Aufwand, der betrieben werden müsste, um das Gewehr zu einem obligatorischen Schiessen zu bringen, es danach wieder zu holen und es anschliessend zu warten und zu reinigen. Das wäre unmöglich, besonders, da immer mehr Zeughäuser geschlossen werden und man das “Gewehrlager” eigentlich zentral einrichten müsste.

    Es mag vielen sinnlos erscheinen, einen rostenden Klumpen jahrelang im Schrank stehen zu haben. Auch ich habe keine grosse Lust, mit diesem Ding rumzulaufen. Aber Fakt ist, dass man keine Ahnung hat, wie man die AHV weiterfinanzieren will. Und da will eine Frauenzeitschrift, die sich nicht mal richtig mit der Problematik befasst hat, in einem hysterischen Anfall mal schnell das seit jahrzehnten bewährte System auf den Kopf stellen, nur weil immer mehr Ordonnanzwaffen statt Messer oder Brücken zum (Selbst-)Mord verwendet werden.

    Ich selbst bin nicht begeistert von der Idee, halte es aber so oder so sicher im Moment für nicht realisierbar.

    Comment von mech88 — 05.09.06 um 22:13

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