Waffenbesitz: Tradition vs. Kontrollfreaks
Eine Studie der Universität Zürich, die Waffenbesitz für häufigere Selbstötungen durch Waffen verantwortlich macht, ist ein gefundenes Fressen für jene, denen privater Waffenbesitz ohnehin ein Dorn im Auge ist. Ich frage mich spontan, ob man nicht die Gesamtzahl der Suizide betrachten sollte. Schliesslich spielt es im Endeffekt keine Rolle, ob ein Suizid durch eine Schusswaffe oder auf andere Weise begangen wird.
Nachdem Kriminalität zuwenig argumentative Munition bietet, um gegen Waffenbesitz mobil zu machen, müssen nun die Suizide herhalten. Es wird gefordert, dass die Wehrpflichtigen die Armeewaffe (inkl. versiegelter Munition) nicht mehr zuhause aufbewahren sollen. Soweit dazu überhaupt Statistiken vorhanden sind, deuten sie an, dass Verbrechen mit Armeewaffen selten sind, häufiger sind tatsächlich Selbsttötungen.
Darüber, ob der Staat jedem 20-jährigen eine Waffe in die Hand drücken soll, kann man diskutieren. Militärisch kann es Vorteile bringen, weil ein potentieller (zugegebenermassen zurzeit nicht identifizierbarer) Feind damit rechnen muss, in jedem Haushalt Soldaten anzutreffen. Auch die Erfüllung der Schiesspflicht wird damit erleichtert. Trotzdem bleibt es ein strittiger Punkt. Aus liberaler Sicht ist die allgemeine Wehrpflicht ohnehin abzulehnen. Dadurch würde auch der Streit um die Aufbewahrung von Armeewaffen hinfällig.
Das Problem ist, dass die Argumente nicht nur auf Armeewaffen zielen, sondern auf privaten Waffenbesitz allgemein. Es werden Waffenregister, Verbote und Bewilligungspflichten gefordert. Waffenbesitz ist ein guter Indikator, ob der Staat den Bürgern traut und sie für mündig hält oder eben nicht. Jeder Bürger sollte das Recht haben, zum Selbstschutz Waffen zu besitzen. Es ist schön, wenn man dies nicht für nötig hält und auf die Polizei vertraut. Doch im Notfall kann es zu Situationen kommen, in denen man nicht auf die Polizei zählen kann. Sei es, weil sie nicht rechtzeitig vor Ort ist, um einen zu schützen (z.B. in Katastrophensituationen) oder weil sie aus politischen Gründen einen gar nicht schützen will. Jeder totalitäre Staat muss die Bürger erstmal entwaffnen, um mit ihnen wie Vieh umspringen zu können. Hätten sich deutsche Juden von den Nazis auch wehrlos abführen lassen, hätten sie das Recht auf Waffenbesitz gehabt? Der beste Schutz gegen Totalitarismus und Diktatur sind bewaffnete Bürger.
Auf den ersten Blick mag es einleuchten, dass weniger Waffen zu weniger Kriminalität führen sollen. Doch das ist eine Illusion. Kriminelle haben immer Waffen. Wen der Staat entwaffnen kann, sind rechtschaffene Bürger. Dadurch verschlimmert er die Situation. Eine Welt, in der Kriminelle mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit Gegenwehr zu rechnen haben, ist geradezu ein Paradies für sie. Grossbritannien hat 1997 nach einem Massaker in einer Schule im schottischen Dunblane Faustfeuerwaffen ausnahmslos verboten. Seither haben die Straftaten mit Schusswaffen in England und Wales jährlich zugenommen. Bis 2005 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt und das bei einem der strengsten Waffengesetze (Quelle). Die oben erwähnte Studie der Universität Zürich nennt u.a. England als Vorbild.
Es stimmt zwar, dass Waffenbesitz eine schweizerische Tradition ist. Diese Tatsache ist als Argument für nicht-Konservative jedoch wenig überzeugend. Auf der anderen Seite stehen die Kontrollfreaks, die den Bürgern ihr Recht auf Selbstverteidigung in Notsituationen nehmen wollen. Selbsttötungen sind immer tragisch, aber die Waffen tragen daran nicht die Schuld. Es ist falsch, ein essentielles Bürgerrecht aufzugeben.
