Freie Gedanken

Wir manipulieren

von Bastian am 07.08.06

Falsche Opferzahlen in Kana und manipulierte Bilder bei Reuters (ein anderer Fall hier) sind nur die Spitze des Eisberges. Meistens läuft die Manipulation zu Ungunsten Israels um einiges subtiler ab. Ich nehme als Beispiel den Tages-Anzeiger von letztem Samstag. Schon die Überschrift auf der Frontseite macht klar, wohin die Reise geht:

Tagi-Aufmacher

Israel wird hier bewusst böse Absicht unterstellt. Warum heisst es nicht “Israel zerstört letzte Brücken für Waffenlieferungen aus Syrien”? Um das Verhindern von Hilfskonvois geht es Israel sicherlich zuletzt.

Auf Seite fünf dieses Satellitenfoto aus Beirut. In der Bildunterschrift steht: “Beirut, vom Satelliten aufgenommen: Links beim Kriegsbeginn am 12. Juli, rechts am 31. Juli nach Bombardierungen durch Israels Luftwaffe.”

Tagi-Satellitenbild

Mehr Information gibt es zu diesem Bild nicht. Der Leser sieht einen komplett zerstörten Stadtteil. Sinnlose Verwüstung, so scheint es. Die New York Times hat dieselben Bilder auf ihrer Website veröffentlicht, jedoch mit mehr Informationen. Es handelt sich bei dem gewählten Ausschnitt um den Beiruter Vorort Haret Hreik, eine eigentliche Hisbollah-Hochburg (siehe auch diese Karte von Beirut). Gemäss New York Times befinden sich im bombardierten Bereich hauptsächlich Büros der Hisbollah. Das Gelände war umzäunt und bewacht. Schulen, eine Moschee und eine Kirche, die sich ganz in der Nähe befinden, sehen unberührt aus. In diesem Kontext verändert sich die Aussage des Bildes komplett. Was im Tages-Anzeiger nach blinder Zerstörungswut aussieht, wird in der New York Times zum Beweis der Treffsicherheit der israelischen Luftwaffe. Es ist kein Zufall, dass der Tages-Anzeiger seinen Lesern diese Informationen vorenthält. Dies verdeutlicht der Kommentar unter dem Bild, der mit folgender Überschrift versehen ist:

Tagi-Überschrift

Eingeleitet mit den Worten:

Längst ist nicht mehr nur die Hizbollah das Ziel der israelischen Angriffe. Die Libanesen fragen sich, welche Absicht wirklich hinter den Zerstörungen steht.

Zum Beweis dient offenbar obiges Satellitenfoto, das perfiderweise eigentlich zeigen würde, dass genau die Hibollah das Ziel ist. Astrid Frefel, die hier schreibt, weiss dies. Aber es passt nicht in ihr Schema:

Jeden Tag wird der Libanon ein Stück mehr zerstört, kommt er seinem Zerfall ein Stück näher. Die Menschen können sich längst keinen Reim mehr auf diese sinnlose Verwüstung machen.[…]

Weshalb also die kategorische Weigerung Israels, einen Waffenstillstand zu ak­zeptieren? Blinde Wut über die erlittene Schmach der ersten Kriegstage, sagen die einen, ein Krieg gegen die Schiiten, an­dere. Israel wolle, dass das libanesische Staatsmodell scheitere, erklärte Ghassan Tueni, der Besitzer der liberalen Beiruter Tageszeitung «al-Nahar», in einem Fern­sehinterview. Ein demokratischer, multi­ethnischer und multireli­giöser Libanon könnte eine Gefahr für Israel sein, weil der jüdische Staat von einem solchen Staatskonzept nichts wis­sen will. Ein gescheiterter Libanon würde zudem weiterhin ausländischen Einfluss legitimieren, al­lerdings nicht nur israeli­schen, sondern auch syri­schen, iranischen, französischen, engli­schen und wer da alles im Libanon noch Interessen hat.

Sie lässt dies so stehen. Einmal mehr wird Israel böse Absicht unterstellt, dem es nicht um Selbstverteidigung vor Raketenangriffen oder die Zurückdrängung der Hisbollah gehe, sondern um die Zerstörung eines Staates aus purer Boshaftigkeit. Welches Interesse sollte Israel daran haben?

Der Verlauf des Krieges zeigt auch, dass die unilaterale Strategie Israels zum Scheitern verurteilt ist. Es versucht seinen Nachbarn und den Palästinensern seinen Willen aufzuzwingen, sei es mit militäri­scher Gewalt, mit einseitigen Rückzügen oder mit einer Mauer.

Das Resultat sind jedes Mal mehr Gewalt und weniger Sicherheit und Schockwellen, die im Na­hen Osten immer grös­sere Kreise ziehen.

Egal, ob Rückzug oder militärisches Vorgehen: Israel hat gemäss Astrid Frefel nur die Wahl zwischen falsch und verkehrt und ist an der Gewalt selbst Schuld. Nach dieser Logik müsste sie gegen den 2000 erfolgten Abzug aus dem Südlibanon gewesen sein, was ich kaum annehme. Ganz nebenbei, hat der Sicherheitszaun/-mauer wohl die Sicherheit erhöht.

Abgesehen von den inhaltlichen Schwächen ist Astrid Frefels Text ein Meinungsstück und darf grundsätzlich Stellung beziehen. Die Manipulation mit Überschriften und Bildern in der “objektiven” Berichterstattung ist jedoch kaum zufällig. Fast alle Kommentare im Tages-Anzeiger sind stark gegen Israel gerichtet. Nicht nur mir ist dies aufgefallen. Henryk M. Broder schreibt über einen besonders dummen Kommentar im Tages-Anzeiger von letztem Montag:

“Niemand spricht Israel das Recht ab, seine Grenzen zu verteidigen. Aber Raketen, die über die Grenzlinie fliegen, gefährden nicht die Existenz des Staates…”, schreibt zum Beispiel Claudia Kühner im Zürcher Tages-Anzeiger.

Wenn aber Raketen, die dazu erfunden wurden, über Grenzen zu fliegen, die Existenz eines Staates nicht gefährden, wer oder was ist dann in der Lage, die Existenz eines Staates zu gefährden? Zu hohe Lohnnebenkosten? Zu niedrige Steuern? Zu viele Arbeitslose? Zu wenige Kinder? Und wie würden die Schweizer reagieren, wenn einer ihrer Grenzkantone mit Raketen beschossen würde? Würden sie mit “Luxemburgerli” von Sprüngli zurück schießen? Oder Coupons von “Migros” aus der Luft abwerfen, mit der Aufforderung: “Stopp Shooting, Start Shopping”?

Der Tages-Anzeiger soll hier als grosse Schweizer Tageszeitung nur ein Beispiel sein, wie Medien mit unausgewogener Berichterstattung Stimmung gegen Israel machen. Eine rationale Erklärung, weshalb das so ist, habe ich nicht. Aber es fällt mir praktisch täglich auf, z.B. auch im Schweizer Fernsehen. Dass das deutsche Staatsfernsehen parteiisch ist, ist seit gestern von einer Analyse bestätigt. Dabei wich ich ganz gerne auf Nachrichten von ARD/ZDF aus, wenn es mir bei SF zuviel wurde. Insgesamt schienen mir die deutschen Newssendungen umfassender und geeigneter, sich eine eigene Meinung in diesem Konflikt zu bilden.

Bilder aus China

von Bastian am 04.08.06

Seltenes Bildmaterial von Landenteignungen und Protesten in China. Eigentumsrechte armer Leute werden missachtet, was viel Leid verursacht. Auch für Olympia ‘08 werden Chinesen enteignet, ihre Häuser abgerissen, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten oder entschädigt würden.

Die chinesischen Behörden versuchen solche Berichterstattung unbedingt zu verhindern. Aus dem Tages-Anzeiger vom 31.07.:

In jüngster Zeit haben sich Fälle von Gewalt und Drangsalierungen von auslän­dischen Journalisten in China bedenklich gehäuft. «Westliche Reporter werden sehr häufig während ihrer Recherchen festgenommen. Oft werden sie dabei ge­zwungen, ihre Notizen oder Ton- und Filmkassetten auszuhändigen», sagt Me­linda Liu, Korrespondentin der Zeitschrift «Newsweek», die auch als Präsidentin des Foreign Correspondents Club of China (FCCC) fungiert.

Menschliche Schutzschilde

von Bastian am 03.08.06

Hintergrund: «Menschliche Schutzschilde» sind Kriegsverbrechen

Cartoon 1

Cartoon 2

Cartoon 3

Kana und asymmetrische Kriegsführung

von Bastian am 01.08.06

Kana ist zweifellos eine Tragödie. Ob es ein “Massaker” (NZZ) oder ein “Kriegsverbrechen” (Fouad Siniora) war, ist aus der Ferne schwierig zu beurteilen. Solche Bezeichnungen setzten die Absicht voraus, Zivilisten zu töten. Für mich ist dies nicht vorstellbar. Israel hätte dabei nur zu verlieren, wie Ulrich Sahm treffend schreibt:

Für die Hisbollah ist der Tod so vieler Libanesen ein Sieg, für die Israelis jedoch eine schwere politische Niederlage. Denn bei diesem asymmetrischen Krieg geht es nicht um klassischen Landgewinn oder um die Anzahl abgeschossener feindlicher Flugzeuge. Das Hauptziel beider Seiten ist es, dem Ansehen des Gegners größtmöglichen Schaden beizufügen.

Man kann diese Tragödie nicht losgelöst von der Taktik der Hisbollah bewerten. SpOn berichtet:

Die Guerilla-Taktik könne man jeden Tag beobachten, sagt Palmer Harik. Etwa wenn “hoch mobile” Hisbollah-Kämpfer ihre nur 15 Pfund schweren Anti-Hubschrauber- oder Anti-Panzer-Waffen schultern, sie schnell abschießen und anschließend wieder inmitten der Bevölkerung des Südlibanon verschwinden. “Zuschlagen und abhauen”, heißt diese Taktik, mit der Guerilla-Gruppen zu allen Zeiten schwerfälligen Armeen entgegentraten: “hit and run”.

Nach diesem Muster, berichten verschiedene Zeitungen, gehe es auch mit dem Katjuscha-Abfeuern vor sich: Zivil gekleidete Milizionäre verschwinden in unterirdischen Silos, schießen die todbringenden Flugkörper ab und tauchen gleich wieder unter. Uniformen trägt bei der Hisbollah niemand, Sekunden nach dem Akt ist ein Kämpfer von einem Zivilisten deshalb nicht mehr zu unterscheiden.

Zwei Videos, die zeigen, wie Hisbollah-Kämpfer Raketen (auch aus Kana) abschiessen und sich danach samt Waffen in zivilen Gebäuden verstecken, gibt es auf der Homepage der israelischen Botschaft. Es mag Propaganda sein, interessant es trotzdem und wahrscheinlich bezeichnend für die Kriegsführung der Hisbollah.

Bei mir setzt sich immer stärker die Überzeugung durch, dass sich Terror-Netzwerke nicht militärisch besiegen lassen. Man sieht es in Israel, aber auch im Irak oder in Afghanistan. Die stärksten Armeen der Welt haben Mühe gegen Gegner, die sich hinterhältigster Taktiken bedienen und sich an keinerlei Regeln der Kriegsführung halten. Man kommt nicht darum herum, Terrorgruppen auch militärisch unter Druck zu setzen, aber an einen endgültigen Sieg sollte man realistischerweise nicht glauben. Leider.

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