Freie Gedanken

Bilder aus China

von Bastian am 04.08.06

Seltenes Bildmaterial von Landenteignungen und Protesten in China. Eigentumsrechte armer Leute werden missachtet, was viel Leid verursacht. Auch für Olympia ‘08 werden Chinesen enteignet, ihre Häuser abgerissen, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten oder entschädigt würden.

Die chinesischen Behörden versuchen solche Berichterstattung unbedingt zu verhindern. Aus dem Tages-Anzeiger vom 31.07.:

In jüngster Zeit haben sich Fälle von Gewalt und Drangsalierungen von auslän­dischen Journalisten in China bedenklich gehäuft. «Westliche Reporter werden sehr häufig während ihrer Recherchen festgenommen. Oft werden sie dabei ge­zwungen, ihre Notizen oder Ton- und Filmkassetten auszuhändigen», sagt Me­linda Liu, Korrespondentin der Zeitschrift «Newsweek», die auch als Präsidentin des Foreign Correspondents Club of China (FCCC) fungiert.

Bilder aus Nordkorea

von Bastian am 29.07.06

Via Catallarchy bin ich auf diesen Forum-Thread gestossen mit Bildern und Reiseberichten aus Nordkorea (den ganzen Thread anschauen; wenn die Bilder nicht laden, zuerst diese Links besuchen 1, 2, 3, 4, 5 und zum Thread zurückkehren). Einen weiteren Reisebericht gibt es hier.

Anscheinend wurden viele Bilder unerlaubterweise geschossen, so kriegt man einen Einblick in den Alltag eines totalitären Staates. Interessant sind auch die Kommentare; danach wird jedem Touristen ein staatlicher Aufpasser an die Seite gestellt ohne den man das Hotel nicht verlassen darf. Mobiltelefone sind für Einheimische sowie für Touristen verboten und müssen am Zoll abgegeben werden, obwohl es ein GSM-Netz gibt. Um elf Uhr nachts wird das Stromnetz abgeschaltet. In der Tat “one scary place..”.

Eine kleine Auswahl:

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Nordkorea

Derweil in Südkorea, Seoul:

Seoul

Seoul

Von Armut und Vontobel

von Bastian am 07.05.06

Über den Wirtschaftsjournalisten Werner Vontobel vom SonntagsBlick haben sich schon andere geärgert (siehe Statler & Waldorf). Auch seine Kolumne von heute “Wirtschaftswachstum macht die Armen noch ärmer” ist ein Lehrstück in Demagogie. Vontobel wirft mit Statistiken um sich, dass es kracht. Man könnte das Gefühl kriegen, hier sei jemand tatsächlich kompetent.

Er bezieht sich auf eine Publikation eines britischen globalisierungskritischen Think-Tanks, die kaum Substanz aufweist. Ihr Ansatz und somit auch der von Vontobel ist irreführend. Er beklagt, dass zuwenig des globalen Wirtschaftswachstums den Einkommen der Armen zukomme und schliesst daraus, dass Wirtschaftswachstum den Armen generell nicht helfen könne. Doch die globale Perspektive ist hier denkbar schlecht gewählt. Warum sollte sich beispielsweise Wirtschaftswachstum in den USA merklich auf das Einkommen eines afrikanischen Bauern auswirken? Was den Bauern viel mehr betrifft, ist lokales Wachstum in seinem Land und seiner Region (v.a. solange er durch Zölle daran gehindert wird, in die Industriestaaten zu exportieren). Wenn man seriöse Statistik betreiben will, muss man sich die lokale Wirtschaftsentwicklung ansehen. Eine Studie der Weltbank, die dies in 92 Ländern über die letzten 40 Jahre getan hat, kommt zum Schluss, dass Arme und Reiche gleichermassen vom Wirtschaftswachstum profitieren. Die Einkommen der Armen steigen proportional zu denjenigen der Reichen.

Vontobels Fazit, das Wachstum habe bisher nichts zur Bekämpfung der Armut beigetragen, ist mehr als kühn. Insbesondere, da die Entwicklung in Asien das exakte Gegenteil beweist. In China hat sich die absolute Armut seit der Einführung marktwirtschaftlicher Reformen 1978 von 64% auf 16% reduziert und das sind nur die Zahlen bis 2001. Gemäss Tim Harford hieven sich täglich eine Million Chinesen aus der absoluten Armut. Ohne Wachstum wäre diese Entwicklung undenkbar.

Doch es wird noch kühner. Vontobel behauptet: “Deshalb drängt sich eine andere Lösung auf: Umverteilung.” Die fehlende Nachhaltigkeit dieses Vorschlages verwirft er mit dem “Argument”: “von der absoluten Gleichheit ist die Welt ohnehin noch weit entfernt.” Er erwähnt nicht, dass dieser Ansatz in der Vergangenheit kläglich gescheitert ist. In den letzten 50 Jahren floss mehr als eine Billion US-Dollar nach Afrika. Die Armut ist heute grösser als vor 20 Jahren und das Wirtschaftswachstum war im gleichen Zeitraum in den meisten Ländern praktisch inexistent, wenn nicht gar negativ.

Hinzu kommt eine grosse Portion ökologischer Alarmismus, auf den ich an dieser Stelle nicht eingehe, weil es fast schon lächerlich ist. Es grenzt an Menschenverachtung, in paternalistischer Weise ökologische Sorgen über das Schicksal der Armen zu stellen und ihnen jegliche wirtschaftliche Entwicklung vorenthalten zu wollen. Arme Menschen werden sich wenig um ihre Umwelt kümmern, solange sie damit beschäftigt sind, ihr pures Überleben zu sichern. Vontobel geht es in keiner Zeile um das eigentliche Wohlergehen der Armen dieser Welt. Sein Problem ist, dass die verhältnismässig Wohlhabenden ebenfalls reicher werden. Das läuft seiner Idealvorstellung von absoluter Gleichheit entgegen. Die Armen sind für ihn gerade mal Argumentationsstütze, um sich gegen Wirtschaftswachstum und Fortschritt hierzulande wenden. Damit ist den Unterprivilegierten in keinster Weise geholfen.

In diesem Zusammenhang sei auf den viel lesenswerteren Artikel von Tim Harford hingewiesen: Why Poor Countries Are Poor

Was China zensiert

von Bastian am 08.03.06

Die Washington Post hat eine Liste mit Begriffen veröffentlicht, die von einem chinesischen Blog-Provider zensiert werden. Die Worte können auf chinesischen Webseiten veröffentlicht werden, rufen aber Zensoren auf den Plan, die die Seiten gegebenenfalls blockieren. Unter den 236 Begriffen befinden sich 18 Schimpfworte, der Rest sind politische Aussagen.

Ein kleines “Best-Of” der geblockten Begriffe, die einiges über die chinesische Diktatur aussagen:

China liberal
Down with the Central Propaganda Department
Red Terror
Set fires to force people to relocate
Swiss University of Finance
Chinese Communist Party brutally kills people
Obedient citizens under its brutal rule
Quit the party
Run the opposite direction of the so-called ideals of Communism
Freedom and Democracy Forum
Taiwan Freedom League
Tibet independence
Tiananmen massacre
News blockade
Paris riots
Tsunami
Chinese People Tell the Truth

Ob die Machthaber Angst hatten, dass die Unruhen in Paris die chinesische Jugend inspirieren würde? “Swiss University of Finance” ist ebenfalls seltsam.

Freihandel, die Erste

von Bastian am 16.12.05

Neben den ins Stocken geratenen WTO-Verhandlungen gibt auch erfreulichere Nachrichten aus Hongkong. Die Schweiz (und die übrigen Efta-Staaten) haben ein Freihandelsabkommen mit Südkorea geschlossen, das am 1. Juli 2006 in Kraft treten wird. Südkorea verdankt einen grossen Teil seines (weiterhin schnell wachsenden) Wohlstandes dem internationalen Handel und der Exportindustrie. Vor allem in der Elektronikbranche ist Südkorea stark (ca. 35% der Exporte) . Freuen wir uns z.B. auf günstigere Samsung-Produkte.

Für eine weitere positive Meldung aus Hongkong sorgen diese Demonstranten, die für einmal für die wirklichen Interessen der Entwicklungsländer einstehen. Friedlich und ganz ohne Randale.

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