Freie Gedanken

Captain Euro: EU-Kinderpropaganda

von Bastian am 09.08.06

Die bissigen Liberalen machen auf “Captain Euro” aufmerksam. Eine Website für Kinder, auf der ein Comic-Superheld ihnen die Europäische Union näher bringen soll. Die Kampagne ist zwar schon älter, aber nicht weniger entlarvend. Captain Euro führt einen Kampf gegen das Böse. Auf der Seite des Guten verkörpert er den perfekten Europäer. In seiner Biografie heisst es:

Born ADAM ANDROS - the only child of a famous European Ambassador and a professor of palaeontology.

Travelling the world with his parents, Adam learned to cope with the adult social world from an early age. As a child, participation in an experimental language programme, enabled Adam to become a polyglot.

Diplomatensohn, der andere Elternteil Professor (an einer staatlichen Universität, was sonst?). Schon als Kind durch die Welt gereist und Cocktailparties besucht.

Das Böse verkörpert Dr. D. Vider:

Ruthless speculator, curator and collector of ancient curiosities, DAVID VIDERIUS is a former financier. He is a multi-millionaire, used to making money no matter if it might involve the suffering of others. Banned and ostracised from the financial world for unprofessional conduct he managed to escape arrest despite his involvement in financial scandal.

Having disappeared for many years, he reappeared as DR D VIDER. He manages a holding company, DIVIDEX, controlling hundreds of different businesses across Europe and beyond.

Rücksichtsloser Spekulant, profitgieriger Unternehmer und Multi-Millionär durch unseriöse Praktiken.

Das spricht für sich. Der (teuflische) Unternehmer, der Europa bedroht, wird von einem Superhelden aus der Bürokraten-Kaste zur Strecke gebracht. So empfiehlt sich die EU jungen Europäern und pflanzt ihnen Vorurteile ins Gehirn. Glaubt man Daniel Hannan, einem konservativen Europaparlamentarier, dann hat die EU schon hunderte Millionen Euro an Steuergeldern ausgegeben für derartige Kinderpropaganda.

Wir manipulieren

von Bastian am 07.08.06

Falsche Opferzahlen in Kana und manipulierte Bilder bei Reuters (ein anderer Fall hier) sind nur die Spitze des Eisberges. Meistens läuft die Manipulation zu Ungunsten Israels um einiges subtiler ab. Ich nehme als Beispiel den Tages-Anzeiger von letztem Samstag. Schon die Überschrift auf der Frontseite macht klar, wohin die Reise geht:

Tagi-Aufmacher

Israel wird hier bewusst böse Absicht unterstellt. Warum heisst es nicht “Israel zerstört letzte Brücken für Waffenlieferungen aus Syrien”? Um das Verhindern von Hilfskonvois geht es Israel sicherlich zuletzt.

Auf Seite fünf dieses Satellitenfoto aus Beirut. In der Bildunterschrift steht: “Beirut, vom Satelliten aufgenommen: Links beim Kriegsbeginn am 12. Juli, rechts am 31. Juli nach Bombardierungen durch Israels Luftwaffe.”

Tagi-Satellitenbild

Mehr Information gibt es zu diesem Bild nicht. Der Leser sieht einen komplett zerstörten Stadtteil. Sinnlose Verwüstung, so scheint es. Die New York Times hat dieselben Bilder auf ihrer Website veröffentlicht, jedoch mit mehr Informationen. Es handelt sich bei dem gewählten Ausschnitt um den Beiruter Vorort Haret Hreik, eine eigentliche Hisbollah-Hochburg (siehe auch diese Karte von Beirut). Gemäss New York Times befinden sich im bombardierten Bereich hauptsächlich Büros der Hisbollah. Das Gelände war umzäunt und bewacht. Schulen, eine Moschee und eine Kirche, die sich ganz in der Nähe befinden, sehen unberührt aus. In diesem Kontext verändert sich die Aussage des Bildes komplett. Was im Tages-Anzeiger nach blinder Zerstörungswut aussieht, wird in der New York Times zum Beweis der Treffsicherheit der israelischen Luftwaffe. Es ist kein Zufall, dass der Tages-Anzeiger seinen Lesern diese Informationen vorenthält. Dies verdeutlicht der Kommentar unter dem Bild, der mit folgender Überschrift versehen ist:

Tagi-Überschrift

Eingeleitet mit den Worten:

Längst ist nicht mehr nur die Hizbollah das Ziel der israelischen Angriffe. Die Libanesen fragen sich, welche Absicht wirklich hinter den Zerstörungen steht.

Zum Beweis dient offenbar obiges Satellitenfoto, das perfiderweise eigentlich zeigen würde, dass genau die Hibollah das Ziel ist. Astrid Frefel, die hier schreibt, weiss dies. Aber es passt nicht in ihr Schema:

Jeden Tag wird der Libanon ein Stück mehr zerstört, kommt er seinem Zerfall ein Stück näher. Die Menschen können sich längst keinen Reim mehr auf diese sinnlose Verwüstung machen.[…]

Weshalb also die kategorische Weigerung Israels, einen Waffenstillstand zu ak­zeptieren? Blinde Wut über die erlittene Schmach der ersten Kriegstage, sagen die einen, ein Krieg gegen die Schiiten, an­dere. Israel wolle, dass das libanesische Staatsmodell scheitere, erklärte Ghassan Tueni, der Besitzer der liberalen Beiruter Tageszeitung «al-Nahar», in einem Fern­sehinterview. Ein demokratischer, multi­ethnischer und multireli­giöser Libanon könnte eine Gefahr für Israel sein, weil der jüdische Staat von einem solchen Staatskonzept nichts wis­sen will. Ein gescheiterter Libanon würde zudem weiterhin ausländischen Einfluss legitimieren, al­lerdings nicht nur israeli­schen, sondern auch syri­schen, iranischen, französischen, engli­schen und wer da alles im Libanon noch Interessen hat.

Sie lässt dies so stehen. Einmal mehr wird Israel böse Absicht unterstellt, dem es nicht um Selbstverteidigung vor Raketenangriffen oder die Zurückdrängung der Hisbollah gehe, sondern um die Zerstörung eines Staates aus purer Boshaftigkeit. Welches Interesse sollte Israel daran haben?

Der Verlauf des Krieges zeigt auch, dass die unilaterale Strategie Israels zum Scheitern verurteilt ist. Es versucht seinen Nachbarn und den Palästinensern seinen Willen aufzuzwingen, sei es mit militäri­scher Gewalt, mit einseitigen Rückzügen oder mit einer Mauer.

Das Resultat sind jedes Mal mehr Gewalt und weniger Sicherheit und Schockwellen, die im Na­hen Osten immer grös­sere Kreise ziehen.

Egal, ob Rückzug oder militärisches Vorgehen: Israel hat gemäss Astrid Frefel nur die Wahl zwischen falsch und verkehrt und ist an der Gewalt selbst Schuld. Nach dieser Logik müsste sie gegen den 2000 erfolgten Abzug aus dem Südlibanon gewesen sein, was ich kaum annehme. Ganz nebenbei, hat der Sicherheitszaun/-mauer wohl die Sicherheit erhöht.

Abgesehen von den inhaltlichen Schwächen ist Astrid Frefels Text ein Meinungsstück und darf grundsätzlich Stellung beziehen. Die Manipulation mit Überschriften und Bildern in der “objektiven” Berichterstattung ist jedoch kaum zufällig. Fast alle Kommentare im Tages-Anzeiger sind stark gegen Israel gerichtet. Nicht nur mir ist dies aufgefallen. Henryk M. Broder schreibt über einen besonders dummen Kommentar im Tages-Anzeiger von letztem Montag:

“Niemand spricht Israel das Recht ab, seine Grenzen zu verteidigen. Aber Raketen, die über die Grenzlinie fliegen, gefährden nicht die Existenz des Staates…”, schreibt zum Beispiel Claudia Kühner im Zürcher Tages-Anzeiger.

Wenn aber Raketen, die dazu erfunden wurden, über Grenzen zu fliegen, die Existenz eines Staates nicht gefährden, wer oder was ist dann in der Lage, die Existenz eines Staates zu gefährden? Zu hohe Lohnnebenkosten? Zu niedrige Steuern? Zu viele Arbeitslose? Zu wenige Kinder? Und wie würden die Schweizer reagieren, wenn einer ihrer Grenzkantone mit Raketen beschossen würde? Würden sie mit “Luxemburgerli” von Sprüngli zurück schießen? Oder Coupons von “Migros” aus der Luft abwerfen, mit der Aufforderung: “Stopp Shooting, Start Shopping”?

Der Tages-Anzeiger soll hier als grosse Schweizer Tageszeitung nur ein Beispiel sein, wie Medien mit unausgewogener Berichterstattung Stimmung gegen Israel machen. Eine rationale Erklärung, weshalb das so ist, habe ich nicht. Aber es fällt mir praktisch täglich auf, z.B. auch im Schweizer Fernsehen. Dass das deutsche Staatsfernsehen parteiisch ist, ist seit gestern von einer Analyse bestätigt. Dabei wich ich ganz gerne auf Nachrichten von ARD/ZDF aus, wenn es mir bei SF zuviel wurde. Insgesamt schienen mir die deutschen Newssendungen umfassender und geeigneter, sich eine eigene Meinung in diesem Konflikt zu bilden.

Unerfreuliches Dienstags-Clubbing

von Bastian am 26.07.06

Hat jemand gestern den “Club” (Video-Stream hier) auf SF 1 gesehen? Seit gestern beneide ich die Deutschen um Sabine Christiansen. Da habe ich mich zwar gewundert über Frau Wieczorek-Zeul und Herrn Kienzle, aber es kam eine ganz vernünftige Diskussion zustande, in der beide “Seiten” ihre Sicht der Dinge präsentieren konnten.

Die Gästeliste des “Clubs” las sich eigentlich ganz passabel. Ich dachte, der Filmemacher und Mitglied einer linksextremen Partei, Samir, würde nicht ganz meine Meinung vertreten, doch das wäre in Ordnung. Es sollte schlimmer kommen. Samir monopolisierte die Diskussion mit emotionalen Brandreden gegen Israel. Vernünftige Stimmen wie die des NZZ-Auslandschefs Kamer liess er praktisch nicht zu Wort kommen oder zerriss jede mässigende Bemerkung.

Die Sendung startete schon gut. Drei tote Soldaten habe es gegeben am 12. Juli beim Überfall der Hisbollah, meinte der Moderator Ueli Heiniger. Es waren deren acht, aber wer nimmt’s in der letzten Sendung schon genau mit den Fakten. Die Pädagogin Lendorff-El Rafi findet zwar den Angriff der Hisbollah “nicht richtig”, aber die Reaktion, unverhältnismässig, grausam blabla… Ich kann es ihr nicht übel nehmen, sie hat Verwandte im Libanon, deshalb sind die Emotionen verständlich. Dann viel Israel-Bashing von Samir. Kamers Einwände, die Israels Position wenigstens halb verständlich machen sollen, lässt er nicht gelten. Er sei schliesslich kürzlich im Libanon in den Ferien gewesen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Hisbollah dies plante. Vielmehr müsse Israel den Konflikt von langer Hand vorbereitet haben. Ich überlege mir, wegzuschalten, nicke stattdessen kurz ein. Im Libanon seien in der Politik nur Klientelinteressen vertreten, nur einen Kommunisten gebe es. Dadurch aufgeweckt, muss ich überlegen, wie Samir das meint - er versteht “Kommunist” als Gütesiegel.

Weiter geht es mit Samir: Libanon verliere viele Einnahmen durch den Tourismus. “Hallo, was ist mit Israel?”, möchte man einwerfen. Ein Drittel des Landes wird täglich mit hunderten von Raketen beschossen und die Menschen leben im Bunker. Da gibt es normalerweise auch Touristen. Aber Israel interessiert hier niemanden. Vielmehr möchte der Moderator wissen, woher die “israel-kritische” Haltung vieler Schweizer komme? Man ist sich einig, die Schuld liegt bei Israel und Lendorff-El Rafi lobt dies als “differenzierte Meinung”. Dann etliche Gleichsetzungen von “Fundamentalisten” auf beiden Seiten. In Israel gebe es schliesslich die Orthodoxen. “Berüchtigt für ihre Kidnappings, Terroranschläge und ihr Raketenarsenal?”, möchte man einwenden. Samir weiss: “Eigentlich will die Mehrheit der Menschen im Nahen Osten Frieden, aber natürlich gibt es immer irgendwelche Orthodoxen.” Alles klar. Ich bin für eine NATO-Truppe, die endlich mal gegen die orthodoxen Juden vorgeht. Schliesslich dreht sich die Diskussion um die Hisbollah. Marise Lendorff-El Rafi widerspricht der Bezeichnung als islamistische Terrororganisation. Es sei eine einfache Guerillaorganisation mit einer islamischen Lebensphilosophie, was bedeute, dass man für den Nächsten schaue und hilfsbereit sei. “Und die Juden auslösche”, möchte man einwerfen. André Marty und Yves Kugelmann machten zwar einen vernünftigen Eindruck, äusserten aber so gut wie keine Meinung, obwohl sie wahrscheinlich dafür eingeladen wurden, die israelische Position zu erklären. Rolf Lyssy, der sich zur israelischen Friedensbewegung bekannte, war fast noch ein Lichtblick in dieser Diskussionsrunde.

Interessante Fragen wurden gar nicht erst diskutiert. Was wären die Alternativen, die Israel gehabt hätte? Wie kommt die Region wieder zur Ruhe? Wie erreicht man einen Waffenstillstand? Eine Eingreiftruppe? Wie kriegt man die Hisbollah klein? Aber darum ging es nicht, es ging um Emotionen und darum, dass inkompetente Leute, die vielleicht gute Filme machen, aber nichts von der Situation im Nahen Osten verstehen, eine grosse Klappe haben dürfen.

Müllsammlung

von Bastian am 23.07.06

Zeit, weitere schimmelnde Leserbriefe aus dem Tages-Anzeiger von letzter Woche zu entsorgen. Ich lasse damit den Autoren das Privileg zukommen, jederzeit ihren Schwachsinn mit einer einfachen Google-Suche unter ihrem Namen nachzulesen. Dies als kleine Gratis-Dienstleistung von meiner Seite. Bitte lesen Sie nur weiter, wenn Sie vorhaben, sich den Sonntag zu verderben. (Eine solche Warnung gehörte auch auf die Leserbriefseite des Tages-Anzeigers).

vom Donnerstag, 22.07.

Israel hat den « Kredit » verspielt.
Nach dem, was die Juden durch Hitler alles erleiden mussten, hatten die Israeli bei mir fast grenzenlosen Kredit. Jetzt aber bin ich überzeugt, dass die Juden die Palästinenser ausrotten wollen. Offenbar hat auch 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kein Politiker ein Recht, auch nur ansatzweise Bedenken oder gar Kritik am israelischen Vorgehen zu äussern – vor allem nicht, wenn er aus Europa stammt. Ich warte auf den Tag, da arabische Länder zumindest in der Israel-Frage zu Einheit finden und diesem Menschen verachtenden Kriegstreiben der Juden respektive Israels Einhalt gebieten. - Harald Funk, Emmenbrücke

Richtig. Ich weiss auch von keinem einzigen europäischen Politiker, der nur ansatzweise Kritik geäussert hätte. Da ist es verständlich, dass Sie auf den Tag warten, an dem die Juden-Frage äh.. “Israel-Frage” gelöst wird und “den kriegstreibenden Juden” Einhalt geboten wird. Antisemitisch ist das natürlich nicht, das ist reine Kritik.

Was macht der Schweizer Botschafter?
Israel bombardiert rücksichtslos im Gazastreifen und im Libanon. Nimmt in Kauf, dass unschuldige Zivilisten umkommen. So ein rücksichtsloser Staat hat meines Erachtens kein Existenzrecht in der Völkergemeinschaft. Es erstaunt mich schon, dass der Westen, der sich so zivilisiert gibt, nichts unternimmt, um die legitimen Rechte des palästinensischen und libanesischen Volkes zu schützen. Müssen wir warten, dass die islamischen Opec- Mitgliedsstaaten den Ölhahn zudrehen, damit etwas geschieht? Wieso hat das EDA nicht längstens den Schweizer Botschafter in Israel zurückberufen, wo wir doch so stolz darauf sind, dass die Menschenrechtscharta in der Schweiz deponiert ist? - Rene Danziger, Adliswil

Wohnt Ahmadinejad in Adliswil?

vom Freitag, 21.07.

Hauptschuldiger am ewigen Krisenherd in Nahost ist weder die Hizbollah noch die Hamas, noch Israel, sondern einzig und allein die Uno ( bzw. der damalige Völkerbund). Die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, inmitten muslimischer Staaten, war einer der grössten Fehler der Weltgeschichte. Eine friedliche Zukunft in dieser Region ist reinste Utopie. Die einzig vernünftige Lösung ist, das Problem radikal anzugehen: In den USA und in Australien gibts genügend gleichwertiges Land für einen jüdischen Staat.
Ralph Vogelsanger, Adliswil

Schei%&e, Ahmadinejad ist in Adliswil und schreibt unter Decknamen Leserbriefe. Hoffen wir, dass das die israelische Armee nicht mitkriegt, sonst lädt die hier 23 Tonnen Bomben ab.

vom Samstag 22.07.

Bibel und Bleiben.
Die Juden und ihr Staat Israel haben sich das Land in Palästina « angeeignet » unter Berufung auf die Heilige Schrift, dem Auszug aus Ägypten ins Gelobte Land. Die Bibel als Rechtfertigung des Bleibens. Vielleicht wäre es dem Frieden in Nahost dienlich, Israel würde anderen Bibelstellen ebenso viel Gewicht beimessen!?
Roland Müller, Untersiggenthal

Richtig. Das war kein Uno-Beschluss, sondern das Land wurde “angeeignet” unter Berufung auf die Bibel. Ich dachte schon unter Berufung auf den Holocaust, aber der Brief kommt ja nicht aus Adliswil.

Das Recht des Stärkeren.
Unglaublich, was Israel und Amerika sich auf der ganzen Welt erlauben. Was gibt diesen zwei Ländern das Recht, so arrogant, brutal und rücksichtslos aufzutreten?! Es ist, so scheint es, einzig und allein das Recht des Stärkeren. Gepaart mit dem so gefährlichen Irrglauben, die einzigen Gerechten und Unfehlbaren dieser Welt zu sein. Warum verstecken wir Schweizer und Europäer uns bei diesen Gräueltaten hinter einer Mauer des Schweigens? Werden unsere Medien und Politiker von Leuten der Kriegsnation Israel oder deren Glaubensbrüdern beherrscht? Frieden auf der Welt wird es erst geben, wenn Israel und alle Juden dieser Welt ihre Politik und ihre Einstellung im Umgang mit den Mitmenschen grundlegend überdenken und ändern.
Toni Bürgler, Brunnen

Warum wir uns verstecken? Weil wir doch wissen, dass wir nicht die einzigen “Gerechten und Unfehlbaren” sind. Und ja, die Medien werden natürlich von “den Juden” beherrscht. Das wissen wir spätestens seit den Protokollen der Weisen von Zion, dass die an allem Übel Schuld sind. Auch das ist natürlich nicht antisemitisch, Sie üben Kritik.

Hinterhältige Absichten.
Bush und Rice haben Recht, dass ein Land sich selbst verteidigen darf. Nur, wer ist der übermächtige Angreifer und wer der verzweifelte Verteidiger? Israel scheint mir nicht in einer verzweifelten Lage zu sein, der Libanon aber schon! Wenn wir Bushs und Rices Aussage wahr machen wollten, müssten wir jetzt den Libanon mit Waffen aufrüsten, damit ein Gleichgewicht entsteht und der Libanon sich tatsächlich selbst verteidigen kann. Oder die Weltgemeinschaft müsste dem Libanon raschest helfen. – Meines Erachtens wäre es sinnvoll, Israel ein Ultimatum zu stellen, innert ein bis zwei Tagen den Krieg zu stoppen, den es angefangen hat. Andernfalls wird die Weltgemeinschaft Partei für den eindeutig Schwächeren ergreifen.

Ich vermute hinterhältige Absichten der Vereinigten Staaten (USA) und Israels. Es wäre ja möglich, dass die USA aus weltpolitischen Gründen momentan keinen Krieg führen können und dies jetzt über den Ableger Israel tun. Es wäre auch möglich, dass damit der Iran gereizt werden soll. Wenn dieser dann dem Libanon zu Hilfe eilt, könnte dies von den USA entsprechend für die Legitimierung eines Angriffs gegen den Iran genutzt werden.

Damit wäre dann auch das Öl vom Iran gesichert.
Gerry Michel, Meisterschwanden

So ist es. Herr Michel hat den Durchblick. Die Uno sollte schleunigst der Hisbollah zur Hilfe eilen, weil sie so schwach ist und Israel einen Krieg angefangen hat. Ich verleihe Ihnen hiermit den Preis für den dümmsten Leserbrief der Woche! Herzliche Gratulation, Ihr Vorsprung war knapp.

10vor10 liest aus der Wikipedia

von Bastian am 14.07.06

Den WM-Kater hinter mir gelassen, schaue ich mir wieder andere TV-Sendungen an. Gestern habe ich mir das Boulevard.. Nachrichtenmagazin 10vor10 angetan. Stets interessant, wenn Israel im Brennpunkt steht (schliesslich in der Vergangenheit von mir schon kritisiert). Ich war positiv überrascht von Kurt Spillmanns ausgewogenem Kommentar und einem aufschlussreichen Beitrag über die Hisbollah. Danach habe ich zufällig noch einen Blick in die Wikipedia geworfen, um etwas mehr über die Hisbollah zu erfahren. Zu meinem Erstaunen deckt sich entsprechender Wikipedia-Artikel stark mit dem Beitrag aus 10vor10, teilweise bis auf den Wortlaut. Vergleichen wir einige Zitate:

10vor10: Die Hisbollah vertritt die Schiiten im Libanon. Sie beruft sich auf den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomenei und bezeichnet sich als antizionistisch.
Wikipedia: Die Hisbollah vertritt die Schiiten im Libanon. [An anderer Stelle:] Die Hisbollah beruft sich auf den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini und bezeichnet sich selbst als antizionistisch.

10vor10: Laut dem US-Geheimdienst CIA zählt sie mehrere tausend Mitglieder.
Wikipedia: Nach CIA-Angaben hat die Organisation mehrere tausend Mitglieder…

10vor10: Die Hisbollah sieht es als ihr Verdienst, dass sich Israel 2000 aus dem Südlibanon zurückziehen musste.
Wikipedia: Die Hisbollah rechnet sich den im Jahr 2000 stattgefundenen Rückzug Israels aus dem Libanon als Erfolg an.

10vor10: Ihren Kampf gegen die Besatzer führte sie unter anderem mit Attentaten, mit Entführungen israelischer Soldaten und Geiselnahmen.
Wikipedia: Außerdem betrieb die Hisbollah Entführungen von israelischen Soldaten, Geiselnahmen, Mörser-Angriffe auf vom israelischen Militär besetztes Territorium bzw. Stellungen während deren Besatzung des Südlibanon und Terroranschläge auf Zivilisten.

10vor10: Für die USA und für die europäische Union ist die Hisbollah eine Terrororganisation. In weiten Teilen der arabischen Welt werden deren Milizen als Helden gesehen…
Wikipedia: Einerseits ist die Hisbollah eine politische Partei […], andererseits eine Widerstandsorganisation (gegen die israelische Besatzung; als solche im Libanon und weiten Teilen der arabischen Welt gesehen) oder terroristische Organisation (Bezeichnung va. durch die USA, die EU und Israel).

10vor10: Die Hisbollah will einen aufgeklärten Islam als Staatsform und wünscht den Islam als Religion für die Mehrheit. Sie akzeptiert aber das Zusammenleben mit anderen Religionen.
Wikipedia: Die Organisation setzt sich für einen „zivilisierten“ Islam ein. Ein aufgeklärter Islam ist als Staatsform gewünscht. Außerdem ist der Islam als Religion für die Mehrheit gewünscht, ansonsten wird aber eine Koexistenz der verschiedenen Religionen akzeptiert.

10vor10: Die Unterstützung der Palästinenser war schon immer Teil ihres Programms gewesen.
Wikipedia: Die Unterstützung und Solidarität für die Palästinenser sind seit der Gründung dieser Organisation ein wichtiger Bestandteil ihres Programms.

Vorsichtig ausgedrückt: Der Journalist muss den Wikipedia-Artikel auch gelesen haben. Oder unvorsichtiger: Die Hälfte des Beitrages wurde aus der Wikipedia abgeschrieben und das ohne Quellenangabe (der Rest stammt von hier, mit Quellenangabe). „Wo liegt das Problem?“, mag man sich denken. Vielleicht spricht es gerade für die Qualität der Wikipedia. Immerhin sind es grösstenteils Informationen, die in jedem andern Text über die Hisbollah ebenfalls enthalten sind.

Das Problem besteht einmal darin, dass auch die Wikipedia Lizenzbestimmungen kennt, die hier höchst wahrscheinlich verletzt wurden. Für mich persönlich ein kleineres Übel. Vielmehr finde ich es problematisch, wenn teilweise umstrittene Aussagen 1:1 aus der Wikipedia übernommen werden. Die Wikipedia ist immer noch eine Enzyklopädie, in die theoretisch jeder irgendeinen Müll reinschreiben kann. Gerade bei politisch brisanten Themen ist bei Informationen aus der Wikipedia Vorsicht geboten. Bezüglich Hisbollah mag dies eine untergeordnete Rolle spielen, aber was, wenn es unter Journalisten Schule macht, sich aus der Wikipedia zu bedienen? Schliesslich werde ich es selten bemerken.

Eine umstrittene Aussage ist für mich die folgende: „Die Hisbollah will einen aufgeklärten Islam als Staatsform und wünscht den Islam als Religion für die Mehrheit. Sie akzeptiert aber das Zusammenleben mit anderen Religionen.“ Beispielsweise beschreibt GlobalSecurity die Hisbollah als „dedicated to creation of Iranian-style Islamic republic in Lebanon and removal of all non-Islamic influences from area“ und sagt damit das ziemliche Gegenteil. Die BBC schreibt: “Inspired by the success of the Iranian Revolution, the party also dreamt of transforming Lebanon’s multi-confessional state into an Iranian-style Islamic state. Although this idea was abandoned and the party today is a well-structured political organisation with members of parliament.“ Und weiter: “Hezbollah’s political rhetoric has centred on calls for the destruction of the state of Israel. Its definition of Israeli occupation has also encompassed the idea that the whole of Palestine is occupied Muslim land and it has argued that Israel has no right to exist.” Es mag eine Definitionsfrage sein, aber das iranische Staatsmodell ist für mich nicht gerade der Inbegriff eines “aufgeklärten Islam”. Ebenso wird im 10vor10-Beitrag der Begriff der “Besatzung” im Sinne der Hisbollah verwendet und nicht erwähnt, dass diese darunter ganz Israel versteht.

Bei mir hat 10vor10 ein weiteres Mal an Kredit verloren. In der Wikipedia kann ich auch selber lesen und das erst noch gebührenfrei. Immerhin bin ich mir dabei bewusst, dass die Texte von jedermann bearbeitet werden können und deshalb auch mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen sind.

P.S. Qualitativ besser und ausführlicher ist der englische Wikipedia-Artikel zur Hisbollah. Kleiner Tipp von einem Studenten, der sich auskennt im “Wikipedia-Zitate-Verschleiern”: Vielleicht das nächste Mal dort klauen und übersetzen - fällt weniger auf. ;-)

Von Armut und Vontobel

von Bastian am 07.05.06

Über den Wirtschaftsjournalisten Werner Vontobel vom SonntagsBlick haben sich schon andere geärgert (siehe Statler & Waldorf). Auch seine Kolumne von heute “Wirtschaftswachstum macht die Armen noch ärmer” ist ein Lehrstück in Demagogie. Vontobel wirft mit Statistiken um sich, dass es kracht. Man könnte das Gefühl kriegen, hier sei jemand tatsächlich kompetent.

Er bezieht sich auf eine Publikation eines britischen globalisierungskritischen Think-Tanks, die kaum Substanz aufweist. Ihr Ansatz und somit auch der von Vontobel ist irreführend. Er beklagt, dass zuwenig des globalen Wirtschaftswachstums den Einkommen der Armen zukomme und schliesst daraus, dass Wirtschaftswachstum den Armen generell nicht helfen könne. Doch die globale Perspektive ist hier denkbar schlecht gewählt. Warum sollte sich beispielsweise Wirtschaftswachstum in den USA merklich auf das Einkommen eines afrikanischen Bauern auswirken? Was den Bauern viel mehr betrifft, ist lokales Wachstum in seinem Land und seiner Region (v.a. solange er durch Zölle daran gehindert wird, in die Industriestaaten zu exportieren). Wenn man seriöse Statistik betreiben will, muss man sich die lokale Wirtschaftsentwicklung ansehen. Eine Studie der Weltbank, die dies in 92 Ländern über die letzten 40 Jahre getan hat, kommt zum Schluss, dass Arme und Reiche gleichermassen vom Wirtschaftswachstum profitieren. Die Einkommen der Armen steigen proportional zu denjenigen der Reichen.

Vontobels Fazit, das Wachstum habe bisher nichts zur Bekämpfung der Armut beigetragen, ist mehr als kühn. Insbesondere, da die Entwicklung in Asien das exakte Gegenteil beweist. In China hat sich die absolute Armut seit der Einführung marktwirtschaftlicher Reformen 1978 von 64% auf 16% reduziert und das sind nur die Zahlen bis 2001. Gemäss Tim Harford hieven sich täglich eine Million Chinesen aus der absoluten Armut. Ohne Wachstum wäre diese Entwicklung undenkbar.

Doch es wird noch kühner. Vontobel behauptet: “Deshalb drängt sich eine andere Lösung auf: Umverteilung.” Die fehlende Nachhaltigkeit dieses Vorschlages verwirft er mit dem “Argument”: “von der absoluten Gleichheit ist die Welt ohnehin noch weit entfernt.” Er erwähnt nicht, dass dieser Ansatz in der Vergangenheit kläglich gescheitert ist. In den letzten 50 Jahren floss mehr als eine Billion US-Dollar nach Afrika. Die Armut ist heute grösser als vor 20 Jahren und das Wirtschaftswachstum war im gleichen Zeitraum in den meisten Ländern praktisch inexistent, wenn nicht gar negativ.

Hinzu kommt eine grosse Portion ökologischer Alarmismus, auf den ich an dieser Stelle nicht eingehe, weil es fast schon lächerlich ist. Es grenzt an Menschenverachtung, in paternalistischer Weise ökologische Sorgen über das Schicksal der Armen zu stellen und ihnen jegliche wirtschaftliche Entwicklung vorenthalten zu wollen. Arme Menschen werden sich wenig um ihre Umwelt kümmern, solange sie damit beschäftigt sind, ihr pures Überleben zu sichern. Vontobel geht es in keiner Zeile um das eigentliche Wohlergehen der Armen dieser Welt. Sein Problem ist, dass die verhältnismässig Wohlhabenden ebenfalls reicher werden. Das läuft seiner Idealvorstellung von absoluter Gleichheit entgegen. Die Armen sind für ihn gerade mal Argumentationsstütze, um sich gegen Wirtschaftswachstum und Fortschritt hierzulande wenden. Damit ist den Unterprivilegierten in keinster Weise geholfen.

In diesem Zusammenhang sei auf den viel lesenswerteren Artikel von Tim Harford hingewiesen: Why Poor Countries Are Poor

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