Das Blog für einige Zeit zu vernachlässigen, hat auch positive Aspekte. So kam ich endlich dazu, das Kapitalistische Manifest
des liberalen “Popstar-Ökonomen” Johan Norberg zu lesen und kann es danach nur weiterempfehlen. Mit einer Vielzahl an Statistiken und Studien widerlegt Norberg attac und co. Seine Texte sind für jedermann leicht zu verstehen, bieten aber auch eingefleischten Liberalen und Kapitalismusverfechtern neue Einsichten und Argumente. Zur Feier des Tages hier zwei Zitate.
So etwas wie die Essenz des Kapitalismus:
Kapitalismus bedeutet Freiwilligkeit ohne äusseren Zwang. Wir brauchen bestimmte Verträge oder Geschäfte nicht abzuschliessen, wenn wir eine andere Lösung für besser halten. Die einzige Möglichkeit auf einem freien Markt reich zu werden besteht daher darin, den Menschen etwas zu geben, das sie haben wollen und für das sie freiwillig Geld bezahlen. Damit ein Geschäft zustande kommt, müssen beide Parteien das Gefühl haben, davon zu profitieren. Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel. Etwas vereinfacht könnte man sagen: Je grösser die Einkommen der Menschen sind, desto mehr haben sie getan, um anderen das anzubieten, was sie haben wollen.[…]
In einer Marktwirtschaft kann man eine gute wirtschaftliche Position nur halten, indem man seine Produktion verbessert und den Leuten gute Waren oder Dienstleistungen anbietet. Nur in einer zentralistisch gesteuerten Wirtschaft mit Vergünstigungen und Monopolen für favorisierte Gruppen werden die herrschenden Verhältnisse zementiert. Wer Beziehungen hat oder Bestechungsgelder zahlen kann, oder wer die Zeit und das Wissen hat, sich durch dicke Bände mit Vorschriften zu arbeiten, der darf eine Firma gründen oder Handel treiben. Die Armen erhalten nie eine Chance, nicht einmal zur Gründung solch einfacher Unternehmen wie einer Bäckerei oder eines Krämerladens. In einer kapitalistischen Gesellschaft kann jeder sein Glück versuchen, der Ideen und den nötigen Willen hat, auch wenn er nicht zu den Günstlingen der Herrschenden gehört.
Viele Globalisierungsgegner sehen durch den internationalen Markt die Demokratie in Gefahr. Was sie wirklich fürchten, sind Wahlmöglichkeiten für die Individuen und was sie gefährdet sehen, ist die unbeschränkte Macht des Staates:
Für manche Leute ist allein die Vorstellung, dass der Markt die Politik bewertet, undemokratisch. Sie sind der Ansicht, die Kreditgeber sollten ruhig sein und bereitwillig ihr Geld zur Verfügung stellen, auch wenn die Gefahr besteht, dass die Staaten es durch ihre inflationäre Politik verspielen. Und wenn Steuerzahler ihr Sparkapital im Ausland anlegen, betrachten sie das ebenfalls als undemokratisch. Aber es geht nicht gegen die Demokratie, wenn man auf eine Politik reagiert, um seine eigenen Interessen zu schützen. Das wäre nur der Fall, wenn man Demokratie mit totaler staatlicher Kontrolle und absoluter Loyalität gegenüber dem Willen der Machthaber gleichsetzt. Dann müssten aber nicht nur die Einschätzungen der Finanzmärkte, sondern auch die Lohnforderungen der Gewerkschaften und die kritischen Nachforschungen von Journalisten undemokratisch genannt werden. Aber genau das käme einer Diktatur, die vollständige Unterwerfung fordert, viel näher als einer Demokratie mit bürgerlichen Freiheiten.
Im Grunde genommen meinen diese Kritiker ja auch nicht, dass der Markt die Demokratie bedroht, sondern sie sehen ihn als Bedrohung der Politik, die die Demokratien ihrer Ansicht nach betreiben sollen, nämlich verstärkte staatliche Kontrolle der wirtschaftlichen Entscheidungen der Menschen. Aber natürlich klingt die Behauptung eindringlicher, der Markt bedrohe die Demokratie, als wenn man erklärt, er bedrohe die Kontrolle des Staates über unser wirtschaftliches Handeln. Warum sollte das demokratischer sein, nur weil ein demokratischer Staat über uns bestimmt?
Einen erholsamen 1. Mai wünsche ich. Ich darf heute arbeiten (bzw. an die Uni). Ich habe das Glück in einem Kanton zu studieren, in dem keine sozialistischen Feiertage existieren (leider auch keine kapitalistischen).