Freie Gedanken

Chávez am 1. Mai

von Bastian am 28.04.06

Das Zürcher 1. Mai-Komitee hatte schon immer ein Gespür für zweifelhafte Redner. So auch dieses Jahr. Per Videoübertragung wird Hugo Chávez zugegen sei. Der Kämpfer für einen “Sozialismus des 21. Jahrhunderts” - in welchen Punkten sich dieser von den missglückten Versuchen des 20. Jahrhunderts unterscheidet, ist jedoch unbekannt. Die aktuelle Weltwoche bringt es auf den Punkt (für Abonnenten):

Dass Chávez in der Tradition der Caudillos steht, die auf Rechtsstaat und Demokratie pfeifen, wird grosszügig übersehen. Ein paar deftige Sprüche über die Globalisierung oder Bush – und schon setzt der kritische Verstand aus. Dass Putschoffizier Hugo Chávez mehr für Rüstung ausgibt als jeder andere Machthaber Südamerikas, während die Armut im Land auf hohem Niveau stagniert – who cares. Das interessiert so wenig wie der immense Ölverschleiss in Venezuela oder der Klientelismus des Caudillo, der mit Zuckerbrot und Peitsche regiert und sich um eine nachhaltige Entwicklung foutiert. Auch in Zürich werden die proletarischen Massen dem grossen Führer zujubeln.

Leider liest das 1. Mai-Komitee dieses Blog nicht, z.B. den Post “Warum die Linke ob Chávez erschaudern sollte“.

Warum die Linke ob Chávez erschaudern sollte

von Bastian am 25.02.06

Warum sich die Linke in Hugo Chávez wieder einmal die falsche Identifikationsfigur anlacht, erklärt Alvaro Vargas Llosa in diesem Kommentar. Der Experte für sozialistische Führer in Lateinamerika nennt neun Punkte. Besonders brisant: Chávez bastelt an einer Privatarmee abseits der Militärhierarchie. Chávez schränkt die Pressefreiheit ein. Die Armut ist trotz rekordhohem Ölpreis und Wirtschaftswachstum grösser als bei seinem Amtsantritt 1998.

Den anderen lateinamerikanischen Mythos dekonstruiert Vargas Llosa hier: Che - Revolutionary, movie star, killing machine

Che geniesst den Kapitalismus

Enjoy Capitalism! ;-)

Mehr zur unheiligen Allianz..

von Bastian am 23.02.06

..zwischen Sozialisten und Mullahs liefern Hugo Chávez und Fidel Castro anlässlich eines Besuches des iranischen Parlamentsvorsitzenden Qolamali Hadad-Adel in Südamerika. MEMRI berichtet im jüngsten Special Dispatch (Übersetzung aus iranischen Zeitungen):

Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, ging auf die These der „strategischen Einheit der Staaten des Südens“ ein und „verteidigte gänzlich das iranische Atomprogramm“, so die reformislamistische Zeitung, Sharq. Chavez sagte zudem: „Der iranische Präsident soll weiterhin das Recht auf das Atomprogramm und auf Unabhängigkeit verteidigen. Der Iran ist ein Modell für die ganze Welt, und wir unterstützen ihn. Venezuela wird nie aufhören, sich mit dem Iran zu solidarisieren. […] Iran, Syrien, Kuba und Venezuela haben eine quadratische Einheit, mit einer starken Motivation des Widerstandes gegen Amerika.“

Fidel Castro: “Iran hat viel Macht im Mittleren Osten und in der Welt. Iran kann sich kraft einer alten Kultur und mit Hilfe des Volkes verteidigten. Amerika kann dem stolzen und vereinten Volk des Iran keinen Schaden zufügen.“ Castro habe betont, dass Amerika im Irak verloren habe und das Land bald verlassen müsse. Castro sagte weiterhin: „Bush ist ein Lügner. Seine Gedanken sind eine Gefahr für die Zukunft der Welt. Leider befinden sich aber einige europäische Staaten unter seinem Einfluss. […] Sie wissen besser als alle anderen, wie verärgert Amerika über den Sieg der Revolution von Imam Khomeini ist. Seit dem Beginn der Revolution haben die Amerikaner versucht, Druck auf den Iran auszuüben.“

Bei Castro weiss man nicht genau, ob er Kuba meint, wenn er über den Iran spricht. Chávez ist ein Clown. Um Washington zu provozieren, lässt er keine Gelegenheit aus. Wenn die Situation, was den Iran betrifft, nicht wirklich ernst wäre, müsste man darüber lachen. Ich kann nicht glauben, dass er sowas ernst meint, wobei…

Chávez’ Antisemitismus

von Bastian am 03.01.06

Hugo Chávez, linkspopulistischer Präsident Venezuelas, Hoffnungsträger europäischer Linker und Verbündeter Irans, zeigt, wessen Geistes Kind er ist. In einer Rede am 24. Dezember äussert er sich folgendermassen (deutsche Übersetzung von mir):

Die Welt hat [genug] für alle, doch eine Minderheit, die Nachkommen derselben, die Christus kreuzigten …, hat sich der Reichtümer der Welt bemächtigt. Eine Minderheit hat das Gold des Planeten an sich gerissen, das Silber, die Mineralien, das Wasser, das schöne Land, das Öl, die Reichtümer und sie haben die Reichtümer in den Händen weniger konzentriert.

Quelle: spanisches Original (S.18), englisch bei lgf

Keine Frage, dass er hier auf antisemitische Verschwörungstheorien anspielt, nach denen “die Juden” Jesus getötet hätten und heute die Welt kontrollieren würden. Offenbar beschränkt sich die Zusammenarbeit mit dem Iran nicht nur auf wirtschaftliche und nukleare Aspekte. Es scheint Potenzial für eine weitere Übereinstimmung mit Ahmadinejad zu bestehen, was die “Judenfrage” betrifft. Auch im Jahre 2006 trifft es zu, dass der Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerls sei.

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