Freie Gedanken

König Fussball regiert

von Bastian am 12.06.06

In den letzten Tagen war es schon ruhig hier. Das war die Vorfreude. Mittlerweile habe ich 720 Minuten Fussball hinter mir (d.h. alle Gruppenspiele bis jetzt) und es dürften noch mehr werden. Die Temperaturen werden diese Woche erstmal in sommerliche Höhen klettern. Ideal zum “public viewing” - mein neuer Lieblingsanglizismus, den ich an dieser WM gelernt habe.

Das Politblogging wird für einige Zeit hinten anstehen müssen. Die Nicht-Fussballinteressierten unter den Besuchern mögen Verständnis haben. Den andern brauche ich nichts zu erklären. ;)

Für Dienstag noch ein beherztes: Hopp Schwiiz!

Wirtschaftswachstum ist ökologisch

von Bastian am 29.05.06

Dieses Blog macht auf eine Studie aufmerksam, die aufzeigt, dass Wirtschaftswachstum letztendlich positiv ist für die Umwelt. Zwar gibt es mit einsetzender wirtschaftlicher Entwicklung eine anfängliche Verschlechterung, aber mit steigendem Einkommen verbessert sich danach die ökologische Situation.

Aus dem Abstract:

We find no evidence that environmental quality deteriorates steadily with economic growth. Rather, for most indicators, economic growth brings an initial phase of deterioration followed by a subsequent phase of improvement. The turning points for the different pollutants vary, but in most cases they come before a country reaches a per capita income of $8,000.

(via PSD Blog)

Wasser: Privatize it!

von Bastian am 23.03.06

Stellen Sie sich vor, für 97% der Wasserversorgung wären böse multinationale Konzerne verantwortlich und ein Fünftel der Weltbevölkerung hätte keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es wäre ein Skandal und Sie würden zu Recht nach mehr Staat rufen. Nun ist es in der Realität aber so, dass sich 97% der weltweiten Wasserversorgung in staatlicher Hand befindet und 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser auskommen müssen. Was fordert die Mehrheit? Richtig, sie ruft (paradoxerweise) nach mehr Staat. Ein “Menschenrecht auf Wasser” soll es sein. Als ob jemand Menschenrechte oder Gesetzestexte trinken könnte.

Korrupte, bürokratische und zentralistische Regierungen wären trotz eines neuen Paragraphen nicht in der Lage, eine staatliche Wasserversorgung für die Bevölkerung zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu könnten private Anbieter Menschenleben retten, wenn man sie denn liesse. Natürlich braucht es dazu ein Minimum an Rechtssicherheit. Verstaatlichungsdrohungen sind Gift für Investitionen.

Ein beliebtes Argument gegen private Initiative in der Wasserversorgung ist die Befürchtung höherer Preise. Dabei ist die Höhe der Preise zweitrangig, wenn die Bedürftigen an kein Netz angeschlossen sind. Leicht höhere Preise führen dazu, dass die Anbieter Anreize haben, mehr Menschen anzuschliessen, wie der Ökonom Fredrik Segerfeldt vom CATO Institute darlegt:

[The poor people] usually purchase their lower-quality water from small-time vendors, paying on average 12 times more than for water from regular mains, and often more than that. When the price of water for those already connected goes up, the distributor gets both the resources to enlarge the network and the incentives to reach as many new customers as possible. When prices are too low to cover the costs of laying new pipes, each new customer entails a loss rather than a profit, which makes the distributor unwilling to extend the network. Therefore, even a doubling of the price of mains water could actually give poor people access to cheaper water than before.

Das heisst nicht, dass eine Privatisierung der Wasserversorgung ganz problemlos wäre. Sie ist anfällig für natürliche Monopole, deshalb wird es ganz ohne staatliche Regulierung (z.B. einer Lizenzvergabe) nicht gehen. Trotzdem könnte die Zulassung privater Anbieter und die Kooperation mit ihnen vielen Menschen den Zugang zu Trinkwasser ermöglichen. Es ist falsch, dies aus ideologischen Gründen abzulehnen.

Privatisieren, um Leben zu retten! Wäre das nicht ein passender Slogan?

TV-Tipp: “Tabu Islam?”

von Bastian am 19.03.06

Sollten Sie gestern die Diskussionsrunde SonntagsBlick Standpunkte zum Thema Islam verpasst haben, möchte ich Ihnen die Zweitaustrahlung heute Sonntag um 18:25 auf SF2 empfehlen. Schon die Ankündigung ist deutlich: “Die westliche Gesellschaft ist herausgefordert wie noch nie seit den Zeiten des kommunistischen Sowjetreiches”. Es folgt eine Stunde Klartext von Henryk M. Broder, Hans-Peter Raddatz und Saïda Keller-Messahli.

Frank A. Meyer, mit dem ich normalerweise alles andere als einer Meinung bin, moderiert die Diskussion. Meine Lieblingsstelle ist ja dort, wo Meyer die Grünen als reaktionärste politische Kraft der Schweiz bezeichnet. Man macht wohl so seine Erfahrungen: Die Grünen wollten ihm (erfolglos) eine Klage wegen angeblichen Verstosses gegen die Antirassismusstrafnorm anhängen. Die Islamisten schickten ihm Morddrohungen.

SonntagsBlick Standpunkte, 18.25 SF2

Wochenend-Lektüre

von Bastian am 17.03.06

Das NOVO-Magazin hat die neuste Ausgabe freigeschaltet. Wie immer finden sich darin Stimmen der Vernunft, die der Öko-Ideologie und anderen irrationalen Ängsten Argumente entgegensetzen. Ein besonders erfrischender Kommentar zum Thema Kioto-Protokoll:

Trotz aller martialischer Rhetorik wird immer ersichtlicher, dass die Kiotoziele nicht erreicht werden, da deren Realisierung einfach zu teuer ist, insbesondere für ohnehin schwächelnde Ökonomien. Doch selbst wenn die Ziele erreicht würden, bliebe dies aus zweierlei Gründen ohne jede Konsequenz: Zum einen ist die vereinbarte Reduktion des Treibhausgasausstoßes viel zu gering, um das Klima in irgendeiner Weise zu beeinflussen – selbst dann, wenn die USA sich daran beteiligen würde. Zum anderen sind wirtschaftlich dynamische Staaten wie China nicht an das Kiotoabkommen gebunden. Innerhalb weniger Monate würden die wie Pilze aus dem Boden schießenden chinesischen Kohlekraftwerke die Reduktionen wieder auffressen.[…]

Das ökologische Denken lehrt uns, dass wir Menschen diesen Planeten heruntergewirtschaftet hätten. In Zeiten, in denen wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt, wenn überhaupt, nur Schneckentempo erreicht und das Bremsen von Wachstum als verantwortungsvolles Handeln gilt, sind ökologische Argumentationskrücken eine willkommene Hilfe für eine abgewirtschaftete politische Klasse.

Auch in der internationalen Diplomatie sind ökologische Argumentationen ein gern verwandtes Instrument. Insbesondere die EU nutzt dieses Vokabular, um sich – wie in fast jedem anderen Themengebiet – als wohlmeinender Gegenpol zu den USA in Stellung zu bringen und gleichzeitig die eigenen Reihen fest zu schließen. Die eigentliche Ironie dieser Geschichte ist, dass im Vergleich zu den Staaten der EU die USA, was die Reduktion von Treibhausgasen anbelangt, sogar besser da steht, ohne das Kiotoprotokoll jemals unterschrieben zu haben.

Die moralisierende Position mag den politischen Führern Europas und Kanadas kurzfristig weiterhelfen, um sich selbst neu zu definieren und Einigkeit sowie eine Vision vorzugaukeln. Langfristig jedoch ist diese Haltung äußerst destruktiv, denn sie lenkt alle Aufmerksamkeit auf ein Scheinproblem, anstatt sich den wirklichen globalen Herausforderungen zu stellen.

Adsense statt Armut

von Bastian am 06.03.06

Google muss nicht böse sein. Adsense, der Google-Dienst für Werbeanzeigen auf Websites, eröffnet armen Menschen rund um den Globus neue Verdienstmöglichkeiten:

For Agarwal, Adsense earnings now account for 90 percent of his income, about $1,500 a month. “Adsense has changed my life,” he says. “I can afford things that I was not able to before. I am planning to buy a new car. I can save for my future.”

He’s hardly alone. Since its launch in 2003, Adsense has revolutionized Web publishing in the developing world, turning blogs and personal sites into profitable enterprises. Mohamed Sallam, from Cairo, nets about $500 a month from ads on his Web site, a forum dedicated to discussions of Islam. In New Delhi, Jayant Gandhi uses Adsense to earn about $1,000 a month—the same amount he once took home working as a software engineer—from a Web site that offers free computer help.

Quelle (via PSD Blog)

Auch das ist Globalisierung. Wie Milton Friedman in diesem Interview richtigerweise bemerkt: “The Internet is the most effective instrument we have for globalization.”

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