Stellen Sie sich vor, für 97% der Wasserversorgung wären böse multinationale Konzerne verantwortlich und ein Fünftel der Weltbevölkerung hätte keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es wäre ein Skandal und Sie würden zu Recht nach mehr Staat rufen. Nun ist es in der Realität aber so, dass sich 97% der weltweiten Wasserversorgung in staatlicher Hand befindet und 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser auskommen müssen. Was fordert die Mehrheit? Richtig, sie ruft (paradoxerweise) nach mehr Staat. Ein “Menschenrecht auf Wasser” soll es sein. Als ob jemand Menschenrechte oder Gesetzestexte trinken könnte.
Korrupte, bürokratische und zentralistische Regierungen wären trotz eines neuen Paragraphen nicht in der Lage, eine staatliche Wasserversorgung für die Bevölkerung zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu könnten private Anbieter Menschenleben retten, wenn man sie denn liesse. Natürlich braucht es dazu ein Minimum an Rechtssicherheit. Verstaatlichungsdrohungen sind Gift für Investitionen.
Ein beliebtes Argument gegen private Initiative in der Wasserversorgung ist die Befürchtung höherer Preise. Dabei ist die Höhe der Preise zweitrangig, wenn die Bedürftigen an kein Netz angeschlossen sind. Leicht höhere Preise führen dazu, dass die Anbieter Anreize haben, mehr Menschen anzuschliessen, wie der Ökonom Fredrik Segerfeldt vom CATO Institute darlegt:
[The poor people] usually purchase their lower-quality water from small-time vendors, paying on average 12 times more than for water from regular mains, and often more than that. When the price of water for those already connected goes up, the distributor gets both the resources to enlarge the network and the incentives to reach as many new customers as possible. When prices are too low to cover the costs of laying new pipes, each new customer entails a loss rather than a profit, which makes the distributor unwilling to extend the network. Therefore, even a doubling of the price of mains water could actually give poor people access to cheaper water than before.
Das heisst nicht, dass eine Privatisierung der Wasserversorgung ganz problemlos wäre. Sie ist anfällig für natürliche Monopole, deshalb wird es ganz ohne staatliche Regulierung (z.B. einer Lizenzvergabe) nicht gehen. Trotzdem könnte die Zulassung privater Anbieter und die Kooperation mit ihnen vielen Menschen den Zugang zu Trinkwasser ermöglichen. Es ist falsch, dies aus ideologischen Gründen abzulehnen.
Privatisieren, um Leben zu retten! Wäre das nicht ein passender Slogan?